Freudenfeuer in Genua

5. Jänner 2004, 14:45
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Die Graz-Ablöse feiert den Beginn ihres Jahres als Kulturhauptstadt - Rang wird heuer mit Lille geteilt

Genua - Rund 100.000 Personen haben zu Neujahr den Beginn des "Kulturjahres 2004" in Genua gefeiert, das zusammen mit dem französischen Lille Graz als europäische Kulturhauptstadt ablöst. In den Straßen und Gassen des Zentrums versammelten sich Einwohner und Touristen aus ganz Europa, die begeistert einer Mega-Show aus Feuerwerk- und Lichtspielen im alten Hafen der Stadt zusahen. Die Gruppe La Fura dels Baus eröffnete das Jahr mit einem zirkusähnlichen Schiffsspektakel, das sich auch später zur Olympia-Eröffnung in Athen, zum Fußball-EM-Auftakt in Portugal und in Barcelona zur Eröffnung eines Kulturfestivals weiter vermarkten lässt.

Die offizielle Eröffnung der Veranstaltungen, die Genua im Rahmen des Kulturjahres organisiert, ist am 8. Jänner im Theater Carlo Felice geplant. Vorgesehen ist ein Galakonzert des spanischen Startenors Jose Carreras, bei dem auch EU-Kommissionspräsident Romano Prodi anwesend sein wird. Die Stadt mit 630.000 Einwohnern, mildem Klima und Europas größtem mittelalterlichen Stadtkern will sich als kulturelles "Tor zum Mittelmeer" positionieren und ihre Kunstschätze zur Schau stellen. "Genua hat eine einmalige Chance, sich auf dem internationalen Parkett zu profilieren", betonte der italienische Kulturminister Giuliano Urbani.

Auf dem Plan

30 Millionen Euro wurden für die Organisation der verschiedenen Veranstaltungen veranschlagt. Über 100 Events und 70 Seminare sind geplant, Höhepunkt soll eine große Rubens-Ausstellung im Palazzo Ducale werden. Im Rahmen der Ausstellung "Rubens-Zeitalter" werden auch verschiedene private Kunstsammlungen in ehemaligen Patrizierpalästen erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Genueser Kunstkritiker Germano Celant wird eine große Ausstellung mit dem Titel "Kunst und Architektur 1900-2000" kuratieren, die im September im Palazzo Ducale eröffnet wird. Erstmals wird hier gegenüber gestellt, was Künstler in der Architektur und Architekten in den Künsten vollbracht haben.

Mit Spannung fiebert die Stadt auch dem Musik-Festival "Paganiniana" entgegen, zu dem sich junge Violinisten aus der ganzen Welt treffen werden. Genua war die Geburtsstadt von Geigen-Genie Niccolo Paganini (1782-1840). Die Hafenstadt lockt auch mit ihrem Aquarium, das mit jenem von Lissabon zu den schönsten Europas zählt, sowie mit Wanderungen in den Hügeln hinter der Stadt mit ihren atemraubenden Ausblicken auf das Meer.

Neues Museum des Meeres

Einen weiteren Höhepunkt im Genueser Veranstaltungskalender bildet außerdem die Eröffnung eines neuen Meeres- und Schifffahrtsmuseums. Nach Angaben des spanischen Architekten Guillermo Vasquez Consuegra werden zu diesem Zweck auf dem Gelände des alten Hafens in Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt. Damit wird Genua im Mittelmeerraum das zweitgrößte derartige Museum anbieten.

Jahrzehnte lang vernachlässigt, erlebt Genua eine neue Blütezeit. Begonnen hat die Renaissance der Stadt Anfang der 90er Jahre mit den Vorbereitungen im Hinblick auf die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch den Genuesen Cristoforo Colombo (Christoph Columbus) im Jahr 1992. Darauf lieferte der G-8-Gipfel 2001 neue Impulse für Renovierungsarbeiten und für die Sanierung des Zentrums. "Die Feierlichkeiten für das europäische Kulturjahr werden eine historische Wende für eine Stadt sein, die eine zentralere Rolle im Kulturleben unseres Kontinents verdient", sagte der Kulturminister. (APA)

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