Verheugen plädiert für "Europa der zwei Geschwindigkeiten"

5. Jänner 2004, 18:24
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"Sicherster Weg" zur Einigung - Nicht der Langsamste darf das Tempo bestimmen

Hamburg/Brüssel - Der deutsche EU-Kommissär Günter Verheugen hat sich für ein so genanntes Europa der "zwei Geschwindigkeiten" ausgesprochen. Eine engere Zusammenarbeit einiger EU-Staaten in bestimmten Politikfeldern sei wahrscheinlich "der sicherste Weg", um die europäische Einigung voranzubringen, sagte Verheugen in einem Interview von NDR-Info am Freitag. Ein solches Voranschreiten einiger Staaten funktioniere schon: "Wir haben das bereits beim Euro, wir haben das bei der Einwanderungspolitik und der Einreisepolitik."

Mehr Europa

Der für die EU-Erweiterung zuständige Kommissär betonte, mit demnächst 25 oder mehr Staaten werde die Gemeinschaft über kurz oder lang an ihre Grenzen stoßen. "Wir werden aber auf der anderen Seite mehr Europa brauchen", sagte Verheugen. In der Außen- und Sicherheitspolitik, der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie der Innen- und Rechtspolitik müssten einige voran gehen. "Wir können nicht hinnehmen, dass auf Dauer das langsamste Schiff das Tempo des Geleitzuges bestimmt", betonte der Kommissär.

Verheugen zeigte sich überzeugt, "das geografische und politische Zentrum Europas" werde künftig auf der Achse Paris-Berlin-Warschau liegen. Dies gelte, obwohl der EU-Gipfel zu Europäischen Verfassung im Dezember unter anderem an der harten Haltung der Polen scheiterte. Vor dem Gipfel in Brüssel sei nicht intensiv genug miteinander gesprochen worden, meinte Verheugen. In Sachen Verfassung stehe die Union aber nicht unter besonderem Zeitdruck: "Es ist nicht so, dass das jetzt innerhalb von Monaten fertig werden muss." (APA/dpa)

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