"Frauenfeindliche Gesundheitspolitik"

4. Jänner 2004, 16:42
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Oberösterreich: SPÖ-Landesrätin Stöger befürchtet durch neue Reihungskriterien- Verordnung noch weniger Frauenärztinnen

Linz - Scharfe Kritik an der neuen "Reihungskriterien-Verordnung" des Sozialministers für die Vertragsarztauswahl übt SPÖ-Gesundheits-Landesrätin Silvia Stöger. "Die neue Regelung verschlechtert die Chancen von Ärztinnen auf einen Kassenvertrag. Das gilt insbesondere für die Bereiche Gynäkologie, Urologie und Dermatologie. Gerade hier wären aber mehr Ärztinnen mit Kassenvertragspraxen für die spezielle medizinische Versorgung und Betreuung der Frauen wünschenswert. Die Ärztin ist besorgt, dass nun das Gegenteil eintritt: "Es wird noch weniger Frauenärztinnen geben. Den Ärztinnen und Patientinnen gegenüber kann man hier nur von einer frauenfeindlichen Gesundheitspolitik sprechen."

Keine gezielte Förderung

Schon bisher hätte es keine gezielten Förderung von Ärztinnen bei der Vergabe von Kassenverträgen gegeben, so Stöger. "Die oberösterreichische Ärztekammer lehnt eine bevorzugte Punktevergabe für Bewerberinnen grundsätzlich ab", kritisiert die Landesrätin.

Doch immerhin gab es zwischen der Ärztekammer und der Gebietskrankenkasse die Kompromissregelung, dass bei der Nachbesetzung von Vertragsärztinnen in den Fachgebieten Dermatologie, Gynäkologie und Urologie zusätzliche Punkte für weibliche Bewerberinnen vergeben wurden. Das erhöhte die Chancen, dass die wenigen bereits bestehenden Ärztinnenpraxen in diesen Bereichen erhalten blieben. Im Bereich Gynäkologie sind nur 5 von 71 Kassenverträgen an Ärztinnen vergeben, bei der Dermatologie 10 von 32, die Urologie mit 18 Vertragspraxen ist mit null Ärztinnen überhaupt eine reine männliche Ärztedomäne.

"Durch die neue Verordnung des Sozialministeriums wurde nun auch diese Möglichkeit der Förderung von Frauenärztinnen unmöglich gemacht, weil eine bevorzugte Bepunktung gar nicht mehr erfolgen darf", so Stöger. Bei der nunmehrigen Anpassung ihrer Auswahl-Richtlinie mussten Kammer und Kasse daher auch die bisherigen Zusatzpunkteregelung für die Ärztinnen gänzlich streichen.

Die neue Richtlinie gilt für Ausschreibungen ab März 2004. (red)

  • Silvia Stöger sieht die Chancen auf einen Kassenvertrag für Ärztinnen sinken
    foto: standard/matthias cremer
    Silvia Stöger sieht die Chancen auf einen Kassenvertrag für Ärztinnen sinken
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