Duell der Neujahrskonzerte in Italien

2. Jänner 2004, 11:47
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Traditionssendung aus Wien versus Veranstaltung in Venedigs wiedergeöffnetem La Fenice

Rom - Das "Duell" der Neujahrskonzerte zwischen Wien und Venedig hat in Italien heftige Kritik ausgelöst. Die Italiener trauern dem Wiener Neujahrskonzert nach, das erstmals seit 30 Jahren am Donnerstag nicht mehr live übertragen, sondern erst zeitversetzt am Nachmittag gezeigt wurde. Ersetzt wurde es durch ein Konzert im neu eingeweihten Venediger Theater La Fenice unter der Leitung von Lorin Maazel mit Arien bekannter italienischer Opern. "Es war hart, am Neujahrsmorgen aufzuwachen und im Staatsfernsehen nicht mehr die Klänge aus Wien zu hören", schrieben enttäuschte Zuschauer in Protestbriefen an die Direktion der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI.

"La Traviata gegen den Radetzky-Marsch", kommentierten italienische Zeitungen am Freitag, die das Konzert in Venedig als fahle "Imitation" des Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker bezeichneten. Trotz ausgezeichneter Akustik und einem gut strukturierten Programm habe das Konzert in Venedig nicht die Perfektion und den Charme der Veranstaltung im Wiener Musikverein erreicht, kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica". Auch die Choreografien und die eingeblendeten Bilder eines romantischen Venedigs seien nicht in der Lage, mit der Wiener Konkurrenz mitzuhalten.

Kultur aus Fußball-Perspektive

"Wien besiegt Venedig 3:1. Obwohl die Musik in Venedig fantastisch war, kann man Strauß zu Neujahr nicht besiegen. Es stimmt, die Atmosphäre in Wien ist formaler: Der Saal, die Blumen, die Japaner, doch es ist eine einmalige Welt", betonte der bekannte italienische TV-Autor Gianni Boncompagni.

Anderer Ansicht ist der Regisseur und Ex-Präsident der Venediger Biennale, Gillo Pontecorvo. "Die RAI hat eine gute Idee gehabt, am Vormittag das Live-Konzert aus Venedig zu senden und nachmittags das Wiener Event zu übertragen. Das Venediger Konzert hat mich interessiert, seit über 20 Jahren beginne ich das Jahr mit den Wiener Philharmonikern. Das Konzert aus Wien ist eine wunderschöne Tradition. Doch das Programm ist im Grunde immer dasselbe, wir kennen es in- und auswendig. Warum soll man nicht manchmal mit italienischer Musik abwechseln? ", fragte Pontecorvo. (APA)

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