Viele europäische Unternehmen planen 2004 Neuordnung

8. Jänner 2004, 15:13
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Knapp ein Drittel der Spitzenmanager in Deutschland, Großbritannien und Italien planen heuer größeren Umbau ihrer Konzernstrukturen

Düsseldorf - In vielen europäischen Unternehmen wird es 2004 nachhaltige Veränderungen geben. Knapp ein Drittel (29 Prozent) der Spitzenmanager in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien planen in den nächsten 12 Monaten eine größere Reorganisation der Unternehmensstruktur, berichtet das "Handelsblatt" (Freitagausgabe) und beruft sich dabei auf eine Umfrage unter Top-Managern.

Am stärksten ausgeprägt sei der Wunsch nach Veränderung in Deutschland und Italien. Bei deutschen Unternehmen liege der Fokus der Reorganisation auf zentralen Konzernfunktionen. Bereiche wie Finanzen, Planung und Controlling würden besonders unter die Lupe genommen.

Maßnahmen zur Kostensenkung

Bei den europäischen Nachbarn setzten die Manager an anderen Stellen an: Französische und britische Unternehmen wollten eher den Sparten Marketing, Vertrieb und Logistik effizientere Strukturen verpassen. In Italien sähen die Manager den größten Handlungsbedarf bei Forschung und Entwicklung.

Maßnahmen zur Kostensenkung besitzen der Umfrage nach in Deutschland einen höheren Stellenwert als Aktivitäten zur Steigerung des Umsatzwachstums. Sparen und Kostensenkungen bekommen bei deutschen Managern auf einer Skala von 1 (sehr hohe Bedeutung) bis 5 (sehr niedrige Bedeutung) die Priorität 1,8, in die Zukunft gerichtete Expansionspläne nur die Note 2,0.

Mehr als 1.000 Führungskräfte befragt

In Frankreich und Großbritannien sind die Manager gelassener und sehen keine so große Notwendigkeit für Einsparungen oder neue Vorhaben, wie die Zeitung schreibt. Für die Umfrage Handelsblatt Business Monitor International haben die Meinungsforschungsinstitute Psephos und Innofact in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien mehr als 1.000 Führungskräfte von Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten befragt.

"Bei deutschen Unternehmen liegt der Fokus der Reorganisation klar bei klassischen Overhead-Funktionen", erläutert Juan Rigall, Leiter des Competence Centers Organisation bei der Unternehmensberatung Droege & Comp. Zentrale Steuerungsbereiche wie Finanzen, Planung und Controlling würden in deutschen Unternehmen verstärkt unter die Lupe genommen. Dass gerade dort nach Effizienzreserven gesucht wird, hält Rigall für "nachvollziehbar". 10 bis 15 Prozent der gesamten Kosten entfielen darauf.

"Strukturen verändern"

"Deutsche Unternehmen schauen verstärkt nach innen und wollen im eigenen Haus Strukturen verändern", sagt Hugo Eckseler, der beim Haarpflegespezialisten Wella AG für das Lieferanten-Geschäft verantwortlich ist. Dabei schwingt die Vermutung mit, deutsche Firmen hätten zu sehr das Thema Kostensenkung im Blick und investierten zu wenig in neue Produkte und Märkte.

Für Heiko Arnold, Finanzvorstand der TA (Triumph-Adler) Beteiligungsholding, gehört der Entscheidungszwang zwischen Sparen und Expansion zum Unternehmer-Alltag. "Diesen Spagat müssen wir hinbekommen", sagt der Manager. Seine Prioritäten sind klar: "Kostenkontrolle ist die zentrale Größe." Die TA-Gesellschaften müssten vorgegebene Renditeziele erfüllen. Erst danach bekämen sie grünes Licht für neue Vorhaben, beispielsweise in Marketing und Vertrieb. Als börsennotierter Konzern könne die TA-Holding nicht anders agieren.

Unternehmerischer Spielraum

Peter Wolf, Vorstand der Sparte "Food" beim Kaffeeröster Tchibo, ist zufrieden damit, dass sein Haus einem kleinen Eigentümer-Kreis gehört und damit aus seiner Sicht mehr unternehmerischen Spielraum besitzt. Der nicht börsennotierte Tchibo-Konzern habe stets in neue, strategisch relevante Vorhaben investiert und kontinuierlich seinen Ruf als Anbieter von Qualitätsprodukten gestärkt - "weil der Konzern erkannt hat, dass Tchibo als Marke und Systemanbieter wie ein Kind dauerhaft gepflegt und weiterentwickelt werden muss".

In Deutschland hat das Meinungsforschungsinstitut Psephos 413 Führungskräfte von Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten telefonisch befragt. Für den internationalen Teil interviewte die Innofact AG bis Mitte Dezember 250 Manager in Großbritannien, 200 in Frankreich und 152 in Italien.(APA/vwd)

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