Erschüttertes Vertrauen

11. Jänner 2004, 19:19
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Kritik jüdischer Repräsentanten am Staat

Das Problem ist nicht auf die französischen Vorstädte beschränkt. Aber wo es in diesen Vorstädten signifikante muslimische Bevölkerungsanteile gibt, ist es in den vergangenen zwei Jahren auch vermehrt zu Übergriffen gegen Juden gekommen. Der Zentralrat der französischen Juden (CRIF), der auf seiner Homepage (www.crof.org) einschlägige Vorfälle dokumentiert, meint, dass "die jüdische Gemeinschaft in Frankreich seit dem Beginn der Zweiten Intifada im Dezember Opfer einer ganzen Reihe von antijüdischen Akten geworden" sei.

Vor wenigen Tagen haben sieben prominente Repräsentanten des französischen Judentums, unter ihnen der Großrabbiner und Philosoph Gilles Bernheim und der "neue Philosoph" und Publizist Alain Finkielkraut in der Tageszeitung Le Monde einen umfangreichen Text publiziert, in dem die These verfochten wird, dass das Vertrauensverhältnis zwischen den französischen Juden und ihrem Staat gravierend in Mitleidenschaft gezogen worden sei, weil es die Institutionen und die Öffentlichkeit an Sensibilität für das Problem hätten mangeln lassen.

Um das Vertrauensverhältnis wieder herzustellen, sei es zunächst einmal nötig, die Beschaffenheit der Malaise klar zu benennen: "In Teilen der maghrebinischen Einwandererschaft ist der Antisemitismus weit verbreitet. Und es gibt einen ,Islamprogressismus', der diese Art des Antisemitismus mehr oder weniger blind negiert oder ihn für einen Ausdruck legitimer Solidarität mit den Palästinensern hält." (win; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.1.2004)

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