Am Hausberg des Herminators

2. Jänner 2004, 13:00
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Hermann Maier kommt als Weltcup-Leader nach Flachau zurück - Schweine, Fans und Pisten sind bereit

Wien - Am Samstag kehrt Hermann Maier mit dem Weltcup-Tross auf jenen Berg zurück, auf dem der ÖSV-Superstar Skifahren gelernt hat. Der 31-Jährige mobilisiert rund um das Flachau-Wochenende (Samstag Riesentorlauf, Sonntag Slalom) die Massen, an den beiden Renntagen werden im 2.800-Seelen-Ort jeweils rund 15.000 Fans erwartet. Der "Herminator", dessen große Karriere am 6. Jänner 1996 als Weltcup-Vorläufer in Flachau begonnen hatte, kommt 28 Monate nach seinem schrecklichen Motorrad-Unfall als Gesamt-Weltcup-Leader nach "Maier-City" - nicht nur für die Ski-Experten und -Fans, sondern auch für Maier selbst eine echte Sensation.

Ewig dankbar

"Dass ich wieder so Skifahren kann, ist für mich unglaublich. Und die Erfolge sind für mich auch schier unglaublich. Nach so einer Verletzung - dafür muss ich ewig dankbar sein", zeigt sich Maier demütig. Der Wahnsinnsrummel um Flachaus berühmtesten Sohn zwingt den Salzburger zum Rückzug - Maier wird sich am Wochenende so gut es geht von der Masse fern halten und selbst die Nummernauslosung am Freitagabend (19:00 Uhr) sausen lassen. Die Fans müssen sich also ausschließlich mit Maiers Auftritten auf der noch im alten Jahr 2003 nach ihm benannten "Hermann-Maier-Weltcup-Strecke" zufrieden geben.

Hier hatte auch alles begonnen - die Karriere vom Maurer zum Weltstar, der bis dato u.a. Olympia- und WM-Gold, 44 Weltcup-Siege, drei Triumphe im Gesamt-Weltcup und viele weitere "kleinen Kugeln" (ganz genau sind es neun) eingeheimst hat und Beinamen wie "Der Außerirdische", "Herminator" oder "Das Phänomen" verpasst bekam. Denn Anfang 1996, also genau vor acht Jahren, machte Maier als Vorläufer mit - inoffiziell gestoppter - Top-10-Laufzeit erstmals auf sich aufmerksam.

Legendäre Einlagen

Der Startschuss zur "Hollywood-Karriere", die nach seinen Triumphen und legendären Einlagen wie dem "Jahrhundertsturz" in der Olympia-Abfahrt von Nagano 1998 am 24. August 2001 ein abruptes Ende parat zu haben schien. Beim Crash auf der Katschberg-Bundesstraße (B 99) bei Radstadt (Pongau) mit einem deutschen Pensionisten verletzte sich Maier schwer und hätte beinahe sein rechtes Bein verloren. Mit einem 37 Zentimeter (!) langen Nagel im gebrochenen Unterschenkel, dieser wurde erst im Februar 2003, wenige Wochen nach seinem Vizeweltmeistertitel im Super G in St. Moritz, entfernt, kämpfte sich Maier aber wieder zurück an die Spitze.

Auch mit Hilfe des Energetikers und Therapeuten Martin Weber, dessen Fähigkeiten Maier seit August 2002 mehrmals in Anspruch genommen hatte. Über die Monate nahm das Comeback immer konkretere Formen an, eine in Chile erlittene Schuhrandprellung warf Maier jedoch dann im August 2002 noch einmal zurück. Im Oktober 2002 sprach Maier deshalb zerknirscht erstmals von einem möglichen Karriereende, am 14. Jänner 2003 war der Doppel-Olympiasieger aber dann doch wieder zurück.

Comeback-Sieg im Mekka des Skisports

Im Riesentorlauf von Adelboden scheiterte Maier noch als 31. knapp an der Qualifikation für den zweiten Durchgang, nach Wengen folgte jedoch ausgerechnet im heimischen Ski-Mekka Kitzbühel eine der größten Sternstunden in der Maier-Karriere - der "Herminator" siegte im Super G von "Kitz". In der laufenden Saison hat der Salzburger im Super G von Lake Louise und in der Abfahrt von Beaver Creek mittlerweile seine Weltcup-Siege 43 und 44 nachgelegt. Und nun kehrt Maier sogar als Weltcup-Leader auf "seinen" Berg zurück, auf dem er übrigens noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen hat.

Maiers mittlerweile ebenfalls berühmtes rosa Glücksschwein wird am Wochenende, im Gegensatz zu Maier selbst, omnipräsent sein. Dafür sorgt sein mittlerweile 500 zahlende Mitglieder umfassender Fanclub aus Flachau, der im Rahmen der Rennen rund um die Uhr im Einsatz sein wird. Ein Ort des Geschehens wird der offizielle Fanshop Maiers sein. "Allein übers Internet erhalten wir rund 3.000 Bestellungen pro Jahr", erzählt Rupert Silbergasser, der mit einigen weiteren Maier-Kumpels die Geschicke leitet.

Unerschöpfliche Maier-Accessoires

Das Sortiment scheint schier unerschöpflich, vom Baby-Strampler, über Maier-Tatoos, Müsliriegel und den "Herminator"-Kalender können sich die Fans vor Ort in Flachau oder per Internet nach Herzenslust eindecken. Die Bestellungen kommen laut Silbergasser längst aus aller Welt, so wie auch die Maier-Fanclubs, die es u.a. in Belgien, Norwegen, den Niederlanden, der Schweiz und vor allem Deutschland (München, Darmstadt, Buxtehude...) gibt.

Auch auf der "Maier-Piste" ist alles bereit. Seit Montag ist die gut präparierte Strecke gesperrt. Eine Neuerung hat die Haus- und Hofpiste von Maier auch zu bieten. Denn die Neureithütte, die bisher mitten auf den Riesentorlauf-Strecke positioniert war, wurde an den Pistenrand versetzt. (APA)

(http://www.hm1.com/shop)
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    Festtage für Maier-Fans in der Flachau.

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