Die Mauer beginnt immer noch in Stams

26. Dezember 2005, 11:39
posten

Mit österreichischer Hilfe und Trainer Heinz Koch soll das Skispringen auch in China populär werden

Garmisch - Worauf es ankommt, wissen Tian Zhandong (20) und Li Yang (23) bereits. "Gut springen musst du. Und dich Tag für Tag verbessern." Die beiden sorgten bei der Tournee für eine Premiere - erstmals waren im Weltcup Hupfer aus China am Start.

Beide scheiterten natürlich in der Qualifikation fürs Garmischer Neujahrsspringen, aber immerhin waren sie nicht die Schlechtesten. In Innsbruck und Bischofshofen werden sie es erneut versuchen - es wird wieder vergeblich sein. "Aber die Fortschritte sind enorm", sagt Heinz Koch, ihr österreichischer Trainer, der im Namen rein zufällig und doch glücklicherweise kein "r" zu bieten hat.

Das Projekt wurde vor zwei Jahren erdacht. Die originelle Idee stammte von der oberösterreichischen Laptop-Firma Gericom; die wollte und will nach China expandieren. Zunächst musste geklärt werden, ob dort der Sprungsport überhaupt existiert. Die Suche war mühsam; die Agentur ASP wurde damit beauftragt.

Begeisterung beim nationalen Skiverband

Man wurde in Yabuli fündig: 20 Athleten übten dort auf zwei kleinen Schanzen. Das ist global betrachtet eine absolute Minderheit - China beheimatet über eine Milliarde Menschen. Mit Politikern und anderen wichtigen Leuten wurden Verhandlungen aufgenommen, nicht nur der nationale Skiverband (den gibt's dort tatsächlich) reagierte begeistert. Da der nix zahlen wollte oder konnte, wurde ein Zehnjahresplan erstellt. Gericom blecht, die Funktionäre mischen sich dafür überhaupt nicht ein. Koch ("Ich bin nicht der Alfred Riedl des Skispringens") sah sich vor Ort die Sportler an, wählte fünf aus. Seit Juli 2003 leben diese in einem Hotel im Tiroler Stams. Sie dürfen die Einrichtungen des ÖSV mitbenützen; ein Dolmetscher steht zur Verfügung. "Seither haben sie mehr Sprünge gemacht als im Leben davor. Es gab überhaupt keinen Kulturschock. Die sind ehrgeizig, überhaupt nicht unterwürfig, eher temperamentvoll. Talent besitzen sie wie andere auch", sagt Koch.

Das Budget beträgt pro Saison rund 200.000 , eine Summe, von der zum Beispiel das slowenische Team maximal träumen darf. Koch, der Mitte der Neunziger Cheftrainer der Österreicher war und zuletzt die Franzosen betreute, vergleicht das Modell "mit einem Profirennstall im Radsport". Im nächsten Jahr soll eine Teilnahme im Weltcup nicht mehr die Ausnahme sein; für 2006 wird sogar der eine oder andere Punkt angestrebt. Koch: "Man kennt unseren Sport in China nicht. Eine Popularität bekommt man auch dort nur über Erfolge."

Li Yang lebt seinen Traum: "Ich habe Adam Malysz schon die Hand geschüttelt." (hac, DER STANDARD Printausgabe 02.01.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Original in China.

Share if you care.