Deutsche Springer "zu arrogant"

7. Jänner 2004, 10:49
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Zuschauergunst für Hannawald und Schmitt schwindet - ÖSV-Adler laut Fans "nicht so eingebildet wie die Deutschen"

Garmisch-Partenkirchen - "Ziiiiiieh" schreit es aus tausenden Kehlen, als Sven Hannawald den Hang entlang segelt. Kaum ist der Mädchenschwarm gelandet, werden unzählige Kameras und Stifte präpariert, in der Hoffnung, ein Autogramm oder zumindest ein kurzes Lächeln des DSV-Adlers bei der Vierschanzentournee zu erhaschen. Doch die Fans werden bitter enttäuscht: Mit gesenktem Kopf schleicht Hannawald vorbei, hat keinen Blick für die Zuschauer. "Die sind zu arrogant", schimpft Teenager Juliane Oehrl und meint damit auch Hannawalds deutschen Teamkollegen Martin Schmitt.

Schlechte Erfahrungen im Trainingslager

"Wir haben schon im Trainingslager schlechte Erfahrungen gemacht. Keiner außer Maximilian Mechler hat angehalten. Die sind einfach vorbeigestürmt. Dabei waren wir die einzigen Fans an der Schanze", empört sich die Heidelbergerin noch immer. Jetzt schwenken sie und ihre Freundinnen lieber Fahnen von Norwegen, Finnland, den USA und vielen anderen Nationen - nicht aber die deutsche. "Wir mögen die anderen einfach mehr. Mit denen kann man auch mal quatschen", meint die 17-jährige Miriam Keilbach, die früher einmal "Hanni-Fan" war. "Das hat sich aber schnell gelegt."

Bei Julia Döring und Maria Fernberger hingegen nicht. Die beiden 13-Jährigen aus der Nähe von München mögen den deutschen Vorflieger, aber auch alle anderen DSV-Springer. "Hanni ist im Moment nicht so gut, aber mir ist das egal", sagt Julia. Seit knapp sechs Jahren ist sie begeisterter Skisprungfan. "Es ist einfach faszinierend, was für Weiten die erreichen", meint sie und wirkt ein wenig verlegen, als sie zugibt, auch wegen der Springer selbst zu kommen.

"Guten Flug"

Nur ein paar Meter weiter haben Elena, Angela, Sabrina und Ines ihr selbstgemaltes Plakat am Absperrzaun hängen. "Wir wünschen Andi Kofler und den anderen ÖSV-Adlern guten Flug" steht in großen roten Buchstaben drauf. "Andi hat so ein schönes Lachen. Er ist natürlich und sehr sympathisch" schwärmen die Schwestern Angela (21) und Elena Bär (20). "Und nicht so eingebildet wie die Deutschen", meint die 16-jährige Ines Mallmann. Dabei seien die ja auch nur normale Menschen und keine Superstars, fügt Sabrina Lauderbach hinzu. Sie findet, dass Hannawald zudem zu sehr David Beckham nacheifert: "All die Ringe und das Haarband, das ist doch nicht normal."

Sie selbst geht wie ihre Freundinnen lieber zum Continental Cup. "Da bezahle ich weniger und habe auch mehr davon. Es ist nicht alles so abgesperrt wie bei der Tournee. Man kommt viel besser ran", sagt die 17-Jährige aus der Nähe von Koblenz. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen stoßen nicht nur bei ihnen auf Unverständnis. Denn die teilweise seit 6 Uhr morgens der Kälte trotzenden Fans wollen ihren Lieblingen ein bisschen näher sein.

"Wir wissen, wo sie wohnen"

Sabrina und Co. lassen sich dennoch nicht unterkriegen. "Wir haben herausgefunden, wo alle Mannschaften wohnen. Jetzt werden wir zu den Hotels fahren und Fotos machen", sagt Sabrina. Auch zum Quartier der Deutschen wollen sie - um auch "Hanni" und Martin noch eine letzte Chance geben. (APA/dpa)

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    Sven Hanawald erlebte schon bessere Zeiten.

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