Niedrigste Zahl bei Verkehrstoten seit 1951

14. Jänner 2004, 09:25
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Unfallbilanz 2003: Deutlich mehr Kinder unter den Opfern

Wien - 2003 ist mit der niedrigsten Zahl an Verkehrstoten seit 1951 zu Ende gegangen. 840 tödliche Unfälle kosteten 922 Menschen das Leben, um 34 Opfer weniger als 2002. Dieses vorläufige Ergebnis bedeute nicht nur einen neuerlichen Rückgang von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sondern auch die bisher absolut niedrigste Zahl seit 52 Jahren, teilte das Innenministerium heute, Donnerstag, mit. Allerdings sind unter den Toten immer mehr Kinder, und auch die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer ist stark gestiegen.

Gegenüber 1972, dem bisher schwärzesten Jahr in der Unfallstatistik mit 2.948 Toten, sei die Zahl der Toten im Straßenverkehr um über zwei Drittel gesunken. Innenminister Ernst Strasser will die Bemühungen um mehr Sicherheit fortsetzen. "Wir sind am richtigen Weg", so der Ressortchef, der weiter "punktgenaue Kontrollen, intensive Aufklärung und entsprechende Vorbeugung" forcieren will. Erfreut über den Rückgang bei den Toten zeigte sich Verkehrsminister Hubert Gorbach (F). Er werde "trotzdem nicht nachlassen und auch weiterhin alles dafür tun", um das Ziel, die Anzahl der Verkehrstoten bis 2010 zu halbieren, zu erreichen. Gorbach verwies auf das Vormerksystem, das er im Dezember in Begutachtung geschickt hatte.

Gefährdete Kinder

37 getötete Kinder bis 14 Jahre bedeuten 2003 die mit Abstand höchste Zahl seit Jahren. In den vergangenen Jahren lag die Zahl im Schnitt bei 26 Todesopfern. Zuletzt gab es im Jahr 1998 ein noch schlechteres Ergebnis mit 43 toten Mädchen und Buben.

Von den 37 getöteten Kindern verunglückten 21 als Pkw-Mitfahrer - 15 Prozent davon waren weder angegurtet noch im Kindersitz -, sieben als Fußgänger und fünf mit dem Fahrrad. Weitere vier Kinder kamen als Mopedfahrer, Traktor-Mitfahrer, im Kinderwagen sowie mit einer Rodel ums Leben. Nur jeder sechste dieser Unfälle passierte auf dem Weg von oder zur Schule.

Motorradfahrer

Immer mehr tödlich verunglückte Motorradfahrer: 112 Lenker bzw. Mitfahrer starben, um 22 oder 24,4 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie in den "schlechten" Jahren 1997 und 2000. Wobei keine Altersgruppe als besonders gefährdet hervorsticht: Das Einstiegsalter der Fahranfänger verteile sich offenbar auf alle Altersschichten. Ein Grund für die Zunahme sei der "Jahrhundert-Sommer" mit einem verstärkten Motorrad-Fahraufkommen durch Urlaubs- und Ausflugsverkehr gewesen. Zudem steigen die Zulassungszahlen seit den neunziger Jahren stark an.

Nach Bundesländern aufgeschlüsselt ergibt sich nach der vorläufigen Unfallbilanz für 2003 folgendes Bild: Burgenland 52 Verkehrstote (2002: 37), Kärnten 57 (83), Niederösterreich 275 (261), Oberösterreich 172 (176), Salzburg 59 (58), Steiermark 182 (163), Tirol 64 (100), Vorarlberg 17 (33) und Wien 44 (45).

Eine stärkere Zunahme gab es im Burgenland. Hier ereignete sich der schwerste Unfall des Jahres - am 18. Juli auf der A2 (Südautobahn) mit sechs Toten. Deutlich mehr Tote verzeichnete auch die Steiermark. Das Innenministerium sprich von "außergewöhnlich vielen schweren Unfällen, fast ausnahmslos im Freiland" - wo vorwiegend höheren Fahrgeschwindigkeiten gefahren werden -, bei denen zwei oder mehrere Tote zu beklagen waren. Die Bundesländer Kärnten, Tirol und Vorarlberg hingegen erreichten das günstigste Ergebnis der vergangen 35 Jahre.

Insgesamt verloren 523 Pkw-Insassen, 39 Lkw-Insassen, 112 Motorrad-Fahrer, ein Autobus-Passagier, 44 Moped-Lenker, 58 Radfahrer und 123 Fußgänger das Leben. 22 Menschen kamen bei "sonstigen Unglücken" (mit Traktor-Lenker, Microcar, etc.) zu Tode. Gegenüber dem Vorjahr ergeben sich hier Anstiege bei den Motorrad- und Lkw-Fahrern, Rückgänge hingegen bei den Fußgängern und Radfahrern.

Strasser kündigte für das neue Jahr an: "Punktgenaue Kontrollen von auffälligen und rücksichtslosen Lenkern durch eine personell und technisch gut gerüstete Exekutive, geeignete straßenbauliche und fahrzeugsicherheitstechnische Maßnahmen sowie eine intensive Aufklärung und Bewusstseinsbildung für ein verantwortungsvolles Miteinander im Straßenverkehr durch uns alle." Die Exekutive werde die klassischen Motorradstrecken weiterhin verstärkt im Auge behalten und Schwerpunktaktionen bei der Kontrolle setzen.

Als vermutliche Hauptursachen für den Tod auf den Straßen wurden nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit (35,7 Prozent), Vorrangverletzung (15 Prozent), Überholen (9,9 Prozent), Unachtsamkeit/Ablenkung (9,5 Prozent), Fehlverhalten von Fußgängern (5,2 Prozent) und Übermüdung (4,3 Prozent) festgestellt. Alkoholisierung war bei 7,1 Prozent aller tödlichen Unfälle Mitursache.

Fazit: Die Ursachen sind immer die gleichen - gegenüber dem Vorjahr ergaben sich nur geringfügige Verschiebungen, auch im langfristigen Vergleich verändert sich die Reihenfolge kaum. Vorrangverletzungen, Überholen und Übermüdung sind laut Innenministerium etwas gestiegen, Geschwindigkeit, Unachtsamkeit und vor allem der Alkohol - nachdem der Anteil im Vorjahr 8,5 Prozent erreicht hatte - sind wieder rückläufig. (APA)

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