Fernseh-Vermarktung der deutschen Bundesliga vor Veränderung

13. Jänner 2004, 14:50
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Infront hat Option zur Verlängerung des Vertrages nicht wahrgenommen

Die deutsche Fußball-Bundesliga steht bei der Fernseh-Vermarktung zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren vor einschneidenden Änderungen. Der bisherige Partner Infront als Nachfolger der insolventen KirchMedia hat erwartungsgemäß zum Jahresende seine Option zur Verlängerung des Vertrages nicht wahrgenommen. Damit besitzen die 36 Proficlubs lediglich einen gültigen TV-Vertrag für die Spielzeiten 2004/05 und 2005/06. Nur die Vereinbarung mit der ARD-Sportschau ist vom Ausstieg der Netzer-Agentur nicht betroffen.

Großer Zeitdruck

"Der bestehende Kontrakt mit Infront endet mit Ablauf der aktuellen Saison im Sommer. Es ist jetzt Aufgabe der DFL, unverzüglich Verhandlungen mit den Nachfragern aufzunehmen", erklärte am Neujahrstag Werner Hackmann als Präsident des Ligaverbandes. Die DFL-Führung will direkt mit TV-Sendern wie ZDF, DSF und dem Pay TV-Sender Premiere verhandeln, steht dabei aber unter großem Zeitdruck. Die Vereine fordern für die Zukunft sehr schnell Planungssicherheit. Hackmann äußerte sich optimistisch hinsichtlich möglicher neuer TV-Verträge: "Ich bin zuversichtlich, weil wir ein sehr gutes Produkt anzubieten haben."

Nicht gut genung

Für die Schweizer Agentur Infront war das Produkt "Bundesliga" allerdings nicht gut genug, um die vertraglich vereinbarten 295 und 300 Millionen Euro für die beiden nächsten Spielzeiten zu zahlen. Das Unternehmen - erst seit Oktober 2002 TV-Partner der DFL - hatte mit Verweis auf neue EU-Richtlinien bei Neuen Medien wie Mobilfunk und Internet nur noch 272,5 und 277,5 Millionen Euro geboten. Die DFL lehnte dieses Angebot ab.

Der Dachverband will aber auch in den nächsten Wochen wieder mit Infront verhandeln. Bleibt es beim Ausstieg der Agentur, die auch die WM-Rechte 2006 besitzt, und führen die Verhandlungen mit anderen TV-Sendern nicht zu dem erhofften Ergebnis, wäre für die Bundesliga der Weg für die von einigen Großclubs angestrebte Eigenvermarktung frei. Sie erhoffen sich durch eine eigene Vermarktung der TV-Rechte höhere Einnahmen und sehen sich durch die steigenden Fußball-Quoten sowohl bei der Bundesliga als auch bei der Champions League bestätigt.

Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß hatte zuletzt die TV-Vermarktung der Bundesliga gerade im Zusammenhang mit der Infront-Option als "Katastrophe" bezeichnet. Ein Ausscheren des deutschen Meisters aus dem Solidarpakt und der zentralen TV-Vermarktung komme aber trotzdem nicht in Frage. (APA/dpa)

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