Zweiter Streich von Pettersen

1. Jänner 2004, 19:47
1 Posting

Norweger gewinnt auch in Garmisch - Höllwarth knapp geschlagen am zweiten Platz - Stockerl für den deutschen Späth

Garmisch-Partenkirchen - Im 13. Anlauf stand Martin Höllwarth endlich auch in Garmisch-Partenkirchen auf dem Siegespodest. Der Tiroler, der auf der Olympia-Schanze zuvor über Rang sieben nicht hinausgekommen war, meisterte am Neujahrstag die Rolle des Mitfavoriten in der Gesamtwertung der 52. Vierschanzen-Tournee mit Bravour und sicherte sich den zweiten Rang (118,5-121 m). Der Norweger Sigurd Pettersen (123-120,5) stand wie in Oberstdorf ganz oben: Im Gegensatz zum Auftakt gewann er diesmal aber mit nur 0,7 Punkten Vorsprung. Höllwarth fühlte sich von den Punkterichtern unterbewertet: "Ich glaube, dass man mir den Sieg gestohlen hat", formulierte es der 29-Jährige unmittelbar nach dem Wettkampf drastisch.

Höllwarthfühlte sich um Sieg betrogen

Der Ärger über die Bewertung seiner Sprünge mit perfekter Telemark-Landung überwog bei Höllwarth zunächst die Freude über Rang zwei. "Petersen hat im ersten Durchgang zu hohe Noten bekommen, bei mir hätte man im Finale nichts abziehen dürfen, aber in letzter Zeit vergeben die Richter maximal die 19,5", kritisierte Höllwarth, der in der Tournee-Wertung vor dem Sonntag-Bewerb in Innsbruck 26,8 Punkte Rückstand auf Pettersen hat. Etwas später war der Ärger beim Zillertaler fast schon verflogen. "Ich bin sehr gut gesprungen und mit meiner Leistung zufrieden, die Umstände haben es nicht zugelassen, dass ich gewinne." Ein halber Meter mehr hätte ihm den ersten Erfolg bei der Tournee gebracht, so gab es den achten Podestplatz.

Pettersen war im ersten Durchgang um 4,5 m weiter gesprungen als Höllwarth und hatte Noten zwischen 17,0 und 18,5 erhalten, im Finale blieb der Norsker nur einen halben Meter hinter seinem ÖSV-Rivalen zurück, der da mit 121 m für die Bestweite gesorgt hatte und fünf Mal die 19,5 erhielt. Mit seinem dritten Weltcup-Saisonsieg übernahm der 23-Jährige auch erstmals die Weltcupführung. "Ich bin ein glücklicher Mensch, völlig frei im Kopf und nur auf das Wichtige konzentriert", sagte Pettersen, der um sein Körpergewicht ein Geheimnis macht. Bei fast gleicher Größe wie Höllwarth (1,80 m) soll er nur rund 56 kg wiegen, ohne aber ein "Hungerkünstler" zu sein.

Rückstand nicht beunruhigend

Der Rückstand auf Pettersen in der Gesamtwertung schreckt Höllwarth nicht wirklich, wenngleich auch er die aktuelle Topform von Pettersen würdigt. "Abgerechnet wird in Bischofshofen, bis dahin kann immer etwas passieren. Aber so wie Pettersen derzeit springt, ist nicht zu erwarten, dass er in einem Durchgang zehn Meter hinten ist", sagte Höllwarth, der sich im Finale von Rang vier auf den Ehrenplatz hinter Halbzeit-Spitzenreiter Pettersen verbesserte. Janne Ahonen, dem Besten der Qualifikation, blieb nur Rang vier hinter dem Deutschen Georg Späth.

Zweiter Österreicher unter den top ten war Thomas Morgenstern, der Zweite von Oberstdorf, als Achter, unmittelbar vor Sven Hannawald. Nach Sprüngen auf 115,5 und 116 m ist der Kärntner in der Tournee-Wertung Fünfter. "Mein dritter Top-ten-Platz im dritten Springen, ich bin zufrieden", sagte der Teenager, der sich aber doch etwas mehr erhofft hatte. "Aber Garmisch ist so etwas wie meine Angstschanze, da fällt es mir schwer, über den K-Punkt zu springen. Woran das liegt weiß ich nicht", sagte der 17-Jährige.

Goldi zeigte Aufwärtstrend

Andreas Goldberger (113-112) zeigte bei schwierigen Bedingungen mit Rückenwind einen Aufwärtstrend und belegte Platz 15. Nun kommt mit dem Bergisel eine der Lieblingsschanzen des Oberösterreichers. "Ich taste mich Sprung für Sprung an die größeren Weiten heran und habe aufsteigende Form, ich freue mich auf Innsbruck", sagte er. Andreas Kofler musste sich hingegen mit Rang 21 (hinter Weltmeister Adam Malysz) begnügen und für Andreas Widhölzl (108-100,5) blieb gar nur Rang 30. Der bisher letzte ÖSV-Sieger in Garmisch (2000) hat die Tournee bereits abgehakt und rätselt, warum er so weit zurückliegt. Toni Innauer wollte nicht öffentlich kritisieren. "Er leidet selbst darunter, aber vielleicht wäre es besser, ihm eine Auszeit zu geben." Martin Koch (34.) und Florian Liegl (41.) hatten sich nicht für das Finale qualifiziert. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sigurd Pettersen

Share if you care.