Japan: Koizumi besucht erneut Yasukuni-Schrein

3. Jänner 2004, 16:16
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Bei dem umstrittenen Kriegerdenkmal werden auch Kriegsverbrecher verehrt - China und Südkorea protestieren

Tokio - Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi hat am Donnerstag den umstrittenen Yasukuni-Schrein für Japans Kriegstote besucht. Mit seinen vorherigen Besuchen in dem Shinto-Heiligtum in Tokio hatte Koizumi Proteste in Südkorea und China, die Opfer der Aggressionen der japanischen Kaiserarmee vor und während des Zweiten Weltkriegs waren, ausgelöst.

In dem Schrein werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Koizumi suchte den Schrein seit seinem Amtsantritt im April 2001 bisher in jedem Jahr auf. Einige Mitglieder der Regierung halten es mit Blick auf die patriotischen Gefühle einflussreicher Wählergruppen für nützlich, alljährlich in den Schrein zu pilgern.

Doch nur einer der zahlreichen Regierungschefs hat es in den vergangenen Jahren für nötig befunden, dem Shinto-Heiligtum am Tag der Kapitulation am 15. August einen offiziellen Besuch abzustatten: Yasuhiro Nakasone 1985.

Peking bestellt japanischen Botschafter ein

China und Südkorea haben den Besuch des japanischen Regierungschefs Junichiro Koizumi an einem umstrittenen Kriegerdenkmal scharf kritisiert. Die Regierung in Peking bestellte am Donnerstag den japanischen Botschafter ein. Vize-Außenminister Wang Yi zeigte sich "tief empört". Koizumi habe den Schrein trotz der ablehnenden Haltung der "Völker Chinas und Asiens" besucht.

Auch die südkoreanische Regierung äußerte "tiefes Bedauern" über die Entscheidung Koizumis. "Es ist schwer zu verstehen, dass höchste japanische Regierungsvertreter weiterhin Kriegsverbrechern die Ehre erweisen", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Seoul. Die Gefühle des südkoreanischen Volkes seien verletzt worden.

Koizumi hatte kurz zuvor erstmals zum Neujahrstag überraschend den Schrein von Yasukuni in Tokio besucht. Für viele asiatische Staaten, die während des Zweiten Weltkriegs von Japan besetzt wurden, ist das Denkmal ein Symbol des japanischen Militarismus. (APA)

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    Junichiro Koizumi beim Yasukuni-Schrein

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