Der König von New York dankt ab

6. Jänner 2004, 19:46
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Hip-Hopper Jay-Z verabschiedet sich - "The Black Album" zum Abschluss

Frankfurt/Main - Shawn Carter alias Jay-Z gehört zu den Ikonen der Rapmusik. Seit 1996 ist seine markante Stimme untrennbar mit dem Höhenflug des Genres verknüpft. Fast nebenbei hat der medienscheue New Yorker mehrere Verkaufsrekorde gebrochen und ist zum schwerreichen Unternehmer geworden. Mit der Veröffentlichung von "The Black Album" hat der Lebensgefährte von Beyonce Knowles nun beschlossen sich aus dem Rap-Geschäft zurückzuziehen.

New York gilt als Geburtsstätte der HipHop-Kultur mit den Säulen Graffiti, Break-Dance, DJing, Beatboxing und Rap, die populärste HipHop-Disziplin. Angesichts dieses historischen Gewichts war es für viele New Yorker unerträglich, dass ihre Stadt in den frühen Neunzigern von L.A. als Boom-Metropole des HipHop abgelöst wurde.

New Yorks Stolz

Doch dann kamen Notorious B.I.G., ein ehemaliger Drogendealer aus Brooklyn, und der Wu-Tang Clan, eine zehnköpfige Rap-Crew aus Staten Island mit einer Vorliebe für Eastern. New Yorks Stolz war wieder hergestellt, drückte sich auch in Verkaufszahlen aus. Während der Wu-Tang Clan noch heute Alben veröffentlicht, wurde Notorious B.I.G. 1997 unter nach wie vor ungeklärten Umständen ermordet. Der selbst ernannte "King Of New York" schien eine unüberbrückbare Lücke hinterlassen zu haben.

Wie aus dem Nichts katapultierte die Szene Shawn Carter, im Brooklyner Viertel Marcy Projects besser bekannt als Jay-Z, nach oben. Nicht nur, dass B.I.G. ein erklärter Fan von Jay-Z war und mit ihm schon das Mikro geteilt hatte, Jay verfügte auch über die Fähigkeit Reimtechnik und Charisma mit einem kapitalistischen Etwas und Machismo zu verbinden.

Sein erstes Album "Reasonable Doubt" (1996) gilt als Klassiker. Da B.I.G. im Jahr darauf ermordet wurde, konnte nur Jay-Z als neuer König von New York in Frage kommen. Anders als sein Freund und Vorgänger, der sich primär auf das Rappen konzentriert hatte, baute sich der neue König in kürzester Zeit ein Geschäftsimperium auf. Mit der Hilfe seiner Freunde Damon Dash und Kareem Burke gründete Jay-Z Roc-A-Fella. Seitdem steht diese Marke für Platten, Filmproduktionen, Kleidung und einiges mehr - der amerikanische Traum lässt grüßen.

Wider Erwarten hat der künstlerische Output von Jay-Z nie unter seinen geschäftlichen Aktivitäten gelitten. Der Tausendsassa hat den Unterboden für den Überbegriff "jiggy rap", die auf Hedonismus basierende HipHop-Strömung, gelegt. Und hat sich dabei stets neu erfunden.

Wenn andere über Bentleys, Geldkoffer oder über die Kindheit mit einer allein erziehenden Mutter rappen, hört sich das oft putzig oder stereotyp an. Es fehlt an der Unnahbarkeit eines Jay-Z, der sich nicht scheut über sein Vermögen, geschätzte 300 Millionen Dollar (240 Mill. Euro), zu rappen. Gleichzeitig hat der Rapper trotz millionenfach verkaufter Platten nie den Kontakt zur Basis verloren.

Nicht umsonst betitelte er eine Albumreihe "Hard Knock Life". Was bei anderen Künstlern überhaupt nicht und bei Managern der Plattenindustrie in der Regel nur auf dem Reißbrett funktioniert, verkörpert Jay-Z mit imponierender Leichtigkeit. Er kann einen Song mit Kindern im Refrain machen, ohne als weichgespülter Hollywood-MC zu gelten. Der König hält alle Fäden in der Hand und tanzt auf allen Hochzeiten.

Zur Überraschung seiner Kollegen und Fans hat Jay-Z "The Black Album" zu seinem letzten erklärt und seinen Rücktritt aus dem aktiven Rap-Geschäft erklärt. Er schließe einzelne Songs auf Soundtracks oder auf ähnlichen Projekten nicht aus, wolle aber nie mehr ein gesamtes Album veröffentlichen.

Wie es sich für einen großen Abgang gehört, hat der Meister für sein letztes Album noch einmal alle Register gezogen und sich prominente Mistreiter ins Boot geholt. Absolute Hochkaräter der Zunft wie Rick Rubin, Pharell Williams (The Neptunes), Timbaland oder Eminem haben produziert und für Jay-Z einen gebührenden musikalischen Untersatz gezaubert. Wieder einmal spielt es keine Rolle ob sich der Frührentner in spe nun über den düsteren Sound von Timbaland oder sich mit Pharrell Williams eher in Clubregionen begibt. (APA/AP)

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    Jay-Z, König von New York

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