Jean-Claude Trichet hatte Glück

3. Jänner 2004, 15:27
posten

Briefbombe gelangte bis ins Vorzimmer des EZB-Chefs

Frankfurt/Main - Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, ist nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nur zufällig dem Anschlag mit einer Briefbombe entkommen. Die Sendung mit dem Sprengkörper sei bis in Trichets Vorzimmer gelangt, berichtete das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Beim Öffnen sei die Sendung nur dank eines glücklichen Umstandes nicht explodiert: Als die Sekretärin in dem bereits halb offenen Umschlag Drähte entdeckte, sei die Polizei alarmiert worden. Eine Bestätigung für diesen Bericht war am Mittwoch von der die Ermittlungen führenden Bundesanwaltschaft zunächst nicht zu erhalten.

Der am Montag abgefangene Brief an Trichet enthielt nach den Ermittlungen einen brennbaren Stoff und eine funktionstüchtige Sprengvorrichtung. Die Sendung war demnach in Bologna abgeschickt worden. Dort war am Samstag auf EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ein Paketbombenanschlag verübt worden. Prodi blieb unverletzt. Wegen des Prodi-Anschlages hat der Generalbundesanwalt in Karlsruhe das Frankfurter Verfahren übernommen.

Briefbomben waren auch an die Justizbehörde Eurojust in Den Haag und an die europäische Polizeizentrale Europol in Den Haag geschickt worden. In beiden Fällen konnten die Bomben unschädlich gemacht werden. Italienische Ermittler vermuten, dass die Bomben nicht töten, sondern verunsichern sollen. Die Täter könnten aus dem Umfeld radikaler Globalisierungsgegner kommen. (APA/dpa)

Share if you care.