Argentinien: Justiz für öffentlichen Prozess gegen "Todesengel" Astiz

5. Jänner 2004, 07:59
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Offizier soll während Diktatur gefoltert haben

Buenos Aires - Dem berüchtigten Offizier Alfredo Astiz und anderen ehemaligen Junta-Mitgliedern soll nach dem Willen der argentinischen Justiz wegen der Folterung Gefangener während der Militärdiktatur öffentlich der Prozess gemacht werden. Bundesanwalt Eduardo Taiano stellte am Dienstag nach Angaben aus Justizkreisen einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Bundesrichter Sergio Torres.

Der Ermittlungsrichter untersucht die Verbrechen in der berüchtigten Marine-Ingenieursschule ESMA in Buenos Aires, einem der Folterzentren der Junta.

Ein Verfahren gegen den als "blonder Todesengel" bekannten ehemaligen Fregattenkapitän Astiz wurde möglich, nachdem das Parlament in Buenos Aires vor rund drei Monaten die Amnestiegesetze für die Verbrechen während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) aufgehoben hatte.

Astiz wird in fünf Fällen Folter zur Last gelegt. Keiner der Fälle steht jedoch in Verbindung mit der Verschleppung und Ermordung zweier französischer Nonnen während der Militärdiktatur.

In diesem Fall will Frankreich ihn zur Rechenschaft ziehen. Ein Gericht in Paris hatte Astiz 1990 wegen der Verschleppung und Ermordung der beiden Nonnen in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. (APA)

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