Kopf des Tages: Capodanno in Pelz- und Daunenmantel

1. Jänner 2004, 20:01
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Wer hätte das gedacht, als wir Kinder mit unseren Eltern seinerzeit auf den Stränden zwischen Caorle und Sorrent herumkugelten ...

Wer hätte das gedacht, als wir Kinder mit unseren Eltern seinerzeit auf den Stränden zwischen Caorle und Sorrent herumkugelten: dass wir einigen Einheimischen von da unten wieder begegnen würden. Doch nicht in Badehose oder Bikini - sondern bis zu den Nasen eingemummt in Daunen- und Pelzmäntel. Der feine Unterschied: Jetzt fahren nicht die Hausmeister nach "Tschaorle" - sondern die Hausherren aus Caorle und Co kommen nach Wien. Die Bundeshauptstadt ist dieser Tage silvesterlaunig fest in italienischer Hand. Und das ist gut so.

Begonnen hatte es mit dem Pelzmantel, wie die italienische Verwandtschaft weiß. Das war ursprünglich eines der wichtigsten Motive für die winterliche Reise gen Norden - erstens ist es da oben schön kalt; zweitens ist Wien eine vergleichsweise sichere Stadt. Was liegt also näher, bei einem Wienurlaub den Pelzmantel auszuführen und da bei nicht vor Wärme und Angst schwitzen zu müssen.

Kamera als unverzichtbarer Begleiter

Die Stadt reagierte auf diese ersten Scharen - und steigerte das innerstädtische Silvesterspektakel von Jahr zu Jahr. Da noch eine Bühne, dort noch ein Event - und schon hatte es sich herumgesprochen: Wien ist die Stadt des großen Capodanno-Spektakels, und Panettone oder Pandoro gibt's auch hier zu kaufen.

Mit zunehmender Menge hat sich das Bild des italienischen Gastes natürlich gewandelt: Die meisten flanieren jetzt im bodenlangen Daunenstepp (aber immer noch um Klassen geschmackvoller gekleidet als ein Durchschnittswiener) durch die Stadt. Weiterer unverzichtbarer Begleiter ist die Kamera.

Deutsch-, Englisch- oder andere Fremdsprachenkenntnisse sind immer noch Mangelware - aber wo ist der Unterschied zu all den österreichischen und deutschen Touristen, die im hintersten italienischen Winkel in größter Selbstverständlichkeit auf Deutsch bestellen? Folder und Informationsstände zum Jahresrutsch in der City sind ohnehin längst in Deutsch, Englisch und Italienisch verfasst.

Die Stadt profitiert jedenfalls gewaltig davon, dass eine hauptsächlich gut situierte Klientel aus dem Süden anreist. War früher im Winter die große touristische Flaute angesagt, so wurden im Dezember 2002 insgesamt 66.382 italienische Nächtigungen registriert. Und dies brachte allein den Hotels und Pensionen einen Umsatz von 2,2 Millionen Euro - von der großen Dunkelziffer der zusätzlichen Shoppingumsätze ganz zu schweigen. Dabei war das sogar ein leichter Rückgang zum Jahr davor, wo im Dezember 2001 die italienischen Touristen mehr als 75.000-mal in Wien nächtigten und damit einen Umsatz von knapp 2,6 Millionen Euro zeitigten.

Viele Grüße vom Wientourismus an die südländischen Gäste. "Molto grazie!" sollen wir ausrichten und ein "Buon anno nuovo!" (Roman Freihsl/DER STANDARD; Printausgabe, 31.12.2003(1.1.2004)

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