Dunkle Energie und Wundermolekül RNS

5. Jänner 2004, 13:12
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Durchbrüche der Forschung 2003 sind Hypothesen über dunkle Energie des Universums, Genvarianten bei Depression und die Funktionsweise der RNS

Wien - Nichts ist größer als das Universum, die Frage ist, woraus es besteht, war das Motto der Fachjournalisten des Wissenschaftsmagazins Science, als sie Einsichten zur Natur des Kosmos als Top-Ereignis des Jahres werteten. Eine lang gehegte Hypothese erhielt Rückenwind: Das Universum besteht größtenteils aus einer rätselhaften, dunklen Energie und nur zu einem kleinen Teil aus auf der Erde bekannter Materie.

Eine neue Untersuchung von 3.000 Satellitengalaxien im Rahmen des "Sloan Digital Sky Survey" (SDSS) brachte die Nachweise: Galaxien "schwimmen" in den Zentren Dunkler Materie, die bis zu 50-mal mehr Masse enthalten als die Galaxien selbst. Rund 70 Prozent der Masse im Kosmos stecken in der Dunklen Energie sowie in Strahlung, weitere 27 Prozent in der so genannten Dunklen Materie. Außerdem ist das Universum neuen Messungen zufolge mit 13,7 Milliarden Jahren wesentlich jünger als bisher angenommen.

Depressionsgen

Auf Platz Zwei rangieren Erkenntnisse, die zeigen, dass es bei Schizophrenie, Depression und bipolarer Störung Genvarianten geben dürfte, deren Träger ein erhöhtes Risiko zur Entwicklung dieser Krankheiten aufweisen - sofern diese unter Stress stehen. Unter den Testpersonen, die einen Trauerfall, Zurückweisung in der Liebe oder den Verlust ihres Jobs erlitten hatten, hatten jene mit den bewussten Genen ein höheres Depressionsrisiko.

Erneut ins Vorderfeld gelangte die "kleine Schwester der DNS", die RNS. Nachdem 2002 ihre Rolle als aktiver molekularer Schalter gewürdigt wurde, haben die Wissenschafter neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Moleküls und dessen Einsatz als Therapieform gewonnen.

Aktive Schnipsel

Über Jahrzehnte galt die Ribonukleinsäure als Botin der Erbsubstanz DNS: Die RNS kopiert die Erbinformation im Zellkern und transportiert sie in die Proteinfabriken, wo spezielle Eiweiße hergestellt werden. Kleine RNS-Schnipsel sind dabei äußerst aktiv: Bei Menschen können RNS-Abschnitte die Herstellung körpereigener Proteine gezielt beeinflussen. Genau diese Proteinproduktion ist bei vielen Krankheiten gestört.

Ebenfalls ins Vorderfeld gelangten Nachweise, dass Flora und Fauna mit Anpassungen auf den Klimawandel reagierten, die detaillierte Entschlüsselung des Y-Chromosoms und Fortschritte zur Verhinderung der Bildung von Tumoren mit der Anti-Krebspille. (east/DER STANDARD, 31.12.2003))

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    derstandard.at
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