"Die Zerstörung der Faszination des Fußballs"

8. Jänner 2004, 10:11
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UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner geht in Pension, rechnet ab und übt Kritik an Spitzenklubs

Nyon - Zum Jahreswechsel endet nach 34 Jahren die Ära von Gerhard Aigner bei der UEFA, so wird ein Generationswechsel in der Europäischen Fußball-Union eingeläutet. Aigner (60) geht vorzeitig in Pension, Nachfolger des Deutschen ist der Schwede Lars-Christer Olsson, der 53-Jährige war zuletzt UEFA-Direktor für Profifußball und Marketing.

Aigner macht von einem vorzeitigen Ausstiegsrecht in seinem Vertrag Gebrauch. Der langjährige UEFA-Generalsekretär will nach eigenen Angaben mehr Zeit für seine Frau und fünf Kinder haben. Es kann aber auch sein, dass nach 34 Jahren bei der UEFA, davon die letzten 14 an der Verwaltungsspitze, ein wenig Resignation mitgespielt hat.

Resignation klingt jedenfalls an, wenn Aigner zum Abschied formuliert: "Es gibt Dinge, die stören. Es gibt heute viele Leute im Fußball, die den Pakt nicht mehr respektieren, der die Basis des Sportes ist, nämlich die Existenz eines Reglements. Die Leute von heute verstehen den Sport nicht. Sie sehen nicht, dass sie dabei sind, die Faszination des Fußballs zu zerstören."

Kritisch geht Aigner, in dessen Zeit als Generalsekretär (1989 bis 2000) und später Generaldirektor (seit 2000) die Aufstockung der Europameisterschaft auf 16 Teilnehmer und auch die Umwandlung des Europapokals der Landesmeister in die Champions League fiel, mit dem Klubfußball um: "Das zahlende Publikum hat das Recht, die Besten zu sehen. Wenn in gewissen Gruppenspielen die Besten auf der Bank bleiben, braucht sich niemand wundern, wenn die Zuschauer zu Hause bleiben. Die Vereine sägen den Ast ab, auf dem sie sitzen."

Aigner spricht, wenn er die finanzielle Lage mancher Vereine betrachtet, recht drastisch von "einem Wettlauf mit dem Tod, den man nicht gewinnen kann. Es kann doch nicht sein, dass das Budget bei einigen Vereinen zu 80 Prozent und mehr aus Lohnzahlungen besteht."

Die letzten Jahre seiner Amtszeit waren geprägt von den ständigen Drohungen der Klubs, eine Europaliga zu gründen. "Sie können den eigenen Untergang natürlich so schnell herbeiführen, wie sie wollen. Lassen wir es mal darauf ankommen", sagt Aigner. Ihn selbst werden die Wickel kaum tangieren, er will um die Welt reisen, Saxophon spielen "und Bücher statt UEFA-Bulletins lesen". (sid, fri, DER STANDARD PRINTAUSGABE 31.12.2003/1.1.2004)

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    Gerhard Aigner hat nach 34 Jahren bei der UEFA genug: "Die Leute von heute verstehen den Sport nicht."

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