Michael Jackson zunehmend unter Einfluss der "Nation of Islam"

1. Jänner 2004, 20:50
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Vertreter der Glaubensgruppe auf Neverland Ranch eingezogen

Die radikal-islamische Organisation "Nation of Islam" übt nach US-Medienberichten zunehmend Einfluss auf Popstar Michael Jackson aus. Hochrangige Vertreter der Glaubensgruppe seien auf Jacksons Neverland Ranch in Kalifornien eingezogen und hielten dort ihre Hand über den wegen Kindesmissbrauchs angeklagten Entertainer. Dies schrieb die renommierte "New York Times" am Dienstag unter Berufung auf Freunde, Angestellte und Geschäftspartner von Jackson. Die "Nation of Islam" treffe inzwischen wichtige Medien- , Geschäfts- und sogar juristische Entscheidungen für den 45 Jahre alten Sänger.

Mehr Popularität

Der Stabschef der Gruppe "Nation of Islam", Leonard Muhammad, arbeite inzwischen im Büro von Jacksons Rechtsanwalt Mark Geragos, führte die Zeitung weiter aus. Die umstrittene Gemeinde um Glaubensführer Louis Farrakhan und dessen Schwiegersohn Muhammad kämpft für einen eigenständigen afroamerikanischen Staat. In der Vergangenheit war sie laut "Times" durch antisemitische, rassistische und homosexuellenfeindliche Bemerkungen mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Beobachter meinten, mit dem Sänger wolle sich die bisher nur 20.000 Mitglieder starke Glaubensgruppe mehr Popularität verschaffen.

"Desaster"

Derweil trennte sich Jackson von seinem Sprecher Stuart Backerman. Anwalt Geragos erzählte der "New York Daily News", er habe Backerman die Kündigung des Popstars persönlich übergeben. Dagegen sagte Backerman der Zeitung, er habe selbst den Hut genommen. Der Bruch erfolgte den Medienangaben zufolge im Zusammenhang mit einem Interview, das der "King of Pop" am Sonntagabend in der CBS- Fernsehsendung "60 Minutes" gegeben hatte. Darin hatte er seine Schuldlosigkeit beteuert.

Experten wie die Rechtsprofessorin und frühere Staatsanwältin Wendy Murphy beurteilten das Interview als "Desaster" für Jackson und zweifelten öffentlich am Verstand seines Anwalts. Nach Einschätzung Murphys hinterließ Jackson den Eindruck "eines typischen Pädophilen - soziopathisch, narzisstisch, egozentrisch und arrogant". Er habe zudem eine Reihe "verrückter Lügen" erzählt, die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit aufkommen ließen.

"Lügen"

"Lüge Nummer eins" sei Jacksons Behauptung, bei seiner Verhaftung im November 45 Minuten in einer Toilette eingesperrt worden zu sein. Der gesamte Vorgang der Festnahme und Freilassung gegen Kaution habe nur 30 Minuten gedauert, sagte die Juristin der "New York Daily News". Als absurd kritisierte Murphy die Angabe des Popstars, eine Verletzung am Unterarm durch die Handschellen erlitten zu haben. Solche Verletzungen könnten nur am Handgelenk vorkommen, sagte sie. Jackson habe trotz eines angeblich ausgekugelten Arms nach Verlassen der Polizeistation mit einer hoch erhobenen Hand das Friedenszeichen gegeben und seinen Fans mit dem anderen Arm freudig zugewunken.

"Höflich und professionell"

Der Sheriff des Kreises Santa Barbara wiederholte am Dienstag, dass "Herr Jackson höflich und professionell behandelt" wurde. Sowohl der Anwalt des Sängers als auch sein persönlicher Begleitschutz hätten sich nach der vorübergehenden Verhaftung für die Kooperation und das Vorgehen der Polizei bedankt, heißt es in einer Erklärung. (APA/dpa)

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    Neverland Ranch

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