Black Muslims, die "Nation of Islam"

5. Jänner 2004, 13:12
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Eine umstrittene Organisation mit unorthodoxer Lehre - durch die Causa Michael Jackson wieder in den Fokus gerückt

Chicago - Zahlreiche Organisationen sind im Laufe der Jahrzehnte in den USA entstanden, die den Afroamerikanern einen angemessenen Platz in der Gesellschaft erkämpfen wollen. Dazu zählen auch die Black Muslims, die sich selbst "Nation of Islam" nennen. Ihr wohl bedeutendster Führer war Elijah Muhammad, der am 7. Oktober 1897 unter dem Namen Elijah Poole geboren wurde.

Die Gründung der "Nation of Islam" war eine Reaktion auf die Lage der Farbigen nach dem Bürgerkrieg. 1930 initiierte Wali Fard Muhammad die Organisation, die eine eigenwillige Doktrin verkündete. Die Weißen, so erklärte Fard, seien die Verkörperung des Teufels, denen die Schwarzen begegnen müssten, indem sie sich dem Islam als ihrer natürlichen Religion zuwandten. Wichtigstes politisches Ziel der Gruppe war die Schaffung eines eigenen Staates für Afroamerikaner auf dem Gebiet der USA.

Eigenstaatliche Zukunft in Afrika

Mit dieser Forderung folgte die "Nation of Islam" einer Tradition der politischen Bewegungen unter den Schwarzen. Die meisten hatten die eigenstaatliche Zukunft allerdings in Afrika gesehen. Weit weniger traditionell war jedoch Fards Auslegung des Islam. Schon die Verteufelung der Weißen entspricht nicht der moslemischen Glaubenslehre.

Wie unorthodox die Lehre war, wurde besonders deutlich, nachdem Elijah Muhammad 1934 Fards Nachfolger geworden war. Fard, so hieß es nun, sei die Verkörperung Gottes, Elijah Muhammad bezeichnete sich als "Botschafter Gottes." Beide Grundsätze stehen im Widerspruch zu Grundaussagen des Islam. Elijah Poole war Fard 1931 begegnet und schnell zu seinem wichtigsten Mitarbeiter geworden. Er nahm den Namen Elijah Muhammad an und etablierte ein religiöses Zentrum in Chicago. Im Mittelpunkt der Lehren der "Nation of Islam" steht das Bestreben, den Afroamerikanern Bürgerrechte und Selbstbewusstsein zu geben.

Gleichberechtigung

Solange dies nicht in einem separaten Staat realisiert werden könne, müsse man versuchen, die Gleichberechtigung innerhalb der USA zu erreichen. Dennoch lehnen sie die USA ab. Das deutlichste Zeichen dafür besteht darin, dass die Black Muslims ihre Namen ändern. Wer keinen islamischen Namen annimmt, ändert seinen Nachnamen, den "Sklavennamen", in den Buchstaben X um. Der bekannteste Anhänger Elijah Muhammads, der seinen Nachnamen in X umwandelte, war Malcolm Little, der als Malcolm X zum bedeutendsten Sprecher der "Nation of Islam" wurde. Malcolm X überwarf sich jedoch mit den "Black Muslims". 1965 wurde er von Gefolgsleuten des "Propheten" erschossen.

Wirtschaftliche Unabhängigkeit

In den folgenden Jahren konzentrierte sich die "Nation of Islam" darauf, wirtschaftliche Unabhängigkeit von den Weißen zu erreichen, indem sie Farmen erwarben und ihre Lebensmittel produzierten. Anfang der Siebziger zählte die Organisation etwa eine Million Anhänger. Elijah Muhammad starb am 25. Februar 1975, nachdem er seinen Sohn Wallace D. Muhammad zu seinem Nachfolger ernannt hatte. Er stand dem traditionellen Islam weitaus näher als sein Vater. Viele Jahre war es relativ still um die "Nation of Islam", bis 1995 Louis Farrakhan den "Marsch der Million Männer" auf Washington organisiert, wo sie für die Verbesserung der Lebensbedingungen der rund 32 Millionen Schwarzen in den USA demonstrierten. (APA)

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