Weiß ist nicht gleich Weiß

1. Dezember 2004, 17:30
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Was ist an Kunstschnee aggressiver als an Naturschnee und was macht einen schnellen Ski aus?

Beschneiungsanlagen mischen Wasser und kalte Luft unter Druck in einem bestimmten Verhältnis, wodurch das zerstäubte Wasser kristallisiert. Im Gegensatz zu Naturschnee gefrieren die Kristalle von technisch erzeugtem Schnee von außen nach innen. Die fertig gefrorenen Kristalle brechen auseinander, wobei sich an der Schneeoberfläche scharfe Kanten bilden. Bei Naturschneekristallen brechen unter mechanischer Einwirkung zuerst die "Arme", sie verbinden sich wesentlich elastischer.

Die künstlich erzeugten Kristalle sind ca. 10 Mal kleiner als Naturschneekristalle, deshalb wird auf den Pisten in kurzer Zeit eine hohe Dichte erreicht. Hohe Dichte bedeutet eine große Kontaktfläche – und in Kombination mit scharfen Kristallformen eine hohe Reibung. Rennpisten, deren Kunstschneeauflage stark durch Publikumslauf und/oder Training beansprucht war, stellen deshalb eine große Herausforderung an die Dosierung des Kanteneinsatz durch den Läufer und die Materialabstimmung dar. Oft ist bei frischen Kristallen aus technischer Schneeerzeugung noch nicht alles Wasser gefroren. Das bewirkt bei zu früh präpariertem oder befahrenem Kunstschnee, dass nicht gefrorenes Wasser aus dem Kristallinneren an die Oberfläche fließt und eine Eisschicht bildet.

Belagstruktur oder Wachs, was ist wichtiger?

Die Hersteller von Schleifmaschinen betonen die Qualitäten der Struktur, Wachsproduzenten vertreten natürlich die Wichtigkeit des Wachselns. Wie so oft ist aber die Summe der Teile entscheidend für den Erfolg. Für einen schnellen Ski müssen neben der Konstruktion und Kantenart bzw. -breite drei Komponenten zusammenspielen:

 

  • Belag - bei Rennskis gibt es für verschiedene Schneearten unterschiedliche Materialien;
  • Struktur - ist nicht nur für den Rennlauf sondern auch für den "Normalgebrauch" sehr wichtig und sollte von Genussskifahrern regelmäßig erneuert und den Schneeverhältnissen angepasst werden.
  • Wachs sollte natürlich ebenfalls den Gegebenheiten entsprechen; und spätestens wenn der Belag weiß wird, ist es höchste Zeit für ein Service.

 

Durch die beim Gleiten mit Skis auf Schnee entstehende Reibung werden Schneekristalle an den Kontaktpunkten mit dem Belag partiell leicht angeschmolzen. Mikroskopisch kleine Wassertropfen, die so genannten "Schmelzkappen", ergeben einen regelrechten Schmiereffekt zwischen Ski und Schnee. Die Tatsache, dass das "Schmiermittel" erst durch Reibung entsteht, bedeutet hohe Anforderung an die Dosierung der Reibung. Dabei hat sowohl die richtige Wachsmischung als auch die Belagsstruktur großen Einfluss auf die Reibungsverhältnisse zwischen Ski und Schnee.

Mit der Härte der Wachsmischung wird auch die Härte der Belagsoberfläche an die jeweilige Schneehärte angepasst und durch spezielle Paraffin- und Fluormischungen kann das Benetzungsverhalten des Skibelags gegenüber dem Schmelzwasser wesentlich beeinflusst werden. Wird die Kontaktfläche zwischen Belag und Schnee zu groß, vergrößert sich die Reibung. Dadurch entseht ein großer Wasserfilm, der Sogwirkung erzeugt und bremsend wirkt. Bei kleiner Kontaktfläche und damit geringer Reibung nimmt der Schmiereffekt ab. Die Feinabstimmung erzielt man mit Belagsstrukturen. Um eine optimale Kontaktfläche zwischen Ski und Schnee zu erreichen, wird eine Struktur in die Belagsoberfläche geschliffen.

Strukturen werden im Rennsport ganz individuell den Rauhigkeiten der Schneeoberfläche angepasst – wodurch sie für einen optimal gleitenden Ski sorgen. Bei tiefen Temperaturen und feinkristallinem Schnee wird eine feine Struktur gewählt. Wärmere Temperaturen, grobkörniger Schnee und Nassschnee erfordern gröbere Strukturen, um die Kontaktfläche zu reduzieren und somit die unerwünschte, bremsende Sogwirkung zu verhindern. (Nicola Werdenigg)

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