Kambodscha: Ex-Präsident der Roten Khmer gesteht erstmals Völkermord

1. Jänner 2004, 11:07
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Khieu Samphan: Selbst nie Tötungen angeordnet

Phnom Penh - Der frühere Präsident der Roten Khmer in Kambodscha hat erstmals eingeräumt, dass sein Regime sich des Völkermordes schuldig gemacht hat. Khieu Samphan betonte jedoch zugleich, dass er niemals Tötungen angeordnet habe. Er stelle sich darauf ein, sich vor einem Tribunal der Vereinten Nationen verantworten zu müssen, sagte der 72-Jährige der Nachrichtenagentur AP.

Khieu Samphan ist einer der wenigen noch lebenden ehemaligen Roten-Khmer-Führer. Er hatte sich im Dezember 1998 der Regierung gestellt. Bisher wurde noch kein Vertreter des früheren Regimes vor Gericht gestellt. Ex-Machthaber Pol Pot starb 1998.

Die Roten Khmer herrschten von 1975 bis 1979 in Kambodscha. Sie versuchten mit brutaler Gewalt, das Land in eine kollektivistische Agrargesellschaft umzuwandeln. Unter ihrer Schreckensherrschaft kamen schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen ums Leben. Die vietnamesische Armee marschierte 1978 in das Nachbarland ein und eroberte am 7. Jänner 1979 Phnom Penh. Die Roten Khmer zogen sich daraufhin in den Dschungel zurück, von wo sie bis Ende der 90er Jahre einen Guerillakrieg führten. Anschließend liefen viele von ihnen zur Regierung über. (APA/AP)

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