USA feiern zehn Jahre NAFTA als Erfolgsmodell

7. Jänner 2004, 19:05
posten

Nordamerikanische Freihandelszone stößt aber auch auf Kritik - Amerikaweite FTAA soll 2005 weltgrößter Handelsblock werden

Washington - Für Washington ist das zehnjährige Jubiläum ein Grund zum Feiern. Die am 1. Jänner 1994 mit Kanada und Mexiko gegründete Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) sei ein "herausragender Erfolg", lobt der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick.

Nach dem Vorbild des Handelsblocks würde er auch gern die weltgrößte Freihandelszone schmieden, für die auf dem gesamten amerikanischen Kontinent die Handelsgrenzen fallen sollen.

Opposition und Globalisierungskritiker warnen allerdings vor einer reinen Ausweitung der NAFTA - zu gemischt sei die Bilanz. Tatsächlich versetzten die Südamerikaner den Ambitionen Washingtons in der jüngsten Verhandlungsrunde einen Dämpfer.

Fehler werden nicht wiederholt

Die "Fehler der NAFTA" dürften nicht noch einmal gemacht werden, forderten Vertreter der demokratischen Opposition vor einer Ministertagung von 34 amerikanischen Staaten Ende November in Miami. Außer Kuba sind alle Länder des Kontinents an den seit neun Jahren dauernden Verhandlungen über die Gründung einer amerikaweiten Freihandelszone beteiligt, die in Nordamerika mit FTAA (Free Trade Area of the Americas) und in Südamerika mit ALCA (Area de Livre Comércio das Americas) abgekürzt wird.

Anfang 2005 soll sie mit mehr als 800 Millionen Verbrauchern von Alaska bis Feuerland zum weltgrößten Handelsblock werden - und die NAFTA in Nordamerika weitgehend ablösen.

Katastrophale Folgen für Mexiko

Für Mexiko habe die NAFTA "katastrophale Folgen" gehabt, kritisierte der US-Abgeordnete Bernie Sanders nach einer Reise in das mittelamerikanische Land. Mit Mexiko hatten die USA und Kanada vor zehn Jahren erstmals auch ein Entwicklungsland für den Freihandel ins Boot geholt. Zwar nahmen seither die mexikanischen Exporte explosionsartig zu.

Doch NAFTA-Gegner kritisieren, dass die größten Exporteure in ausländischer Hand sind. Auch das Wirtschaftswachstum dümpelte im Schnitt bei einem Prozent; die erhöhte Wettbewerbsfähigkeit mussten viele Mexikaner mit niedrigeren Löhnen und Sozialstandards bezahlen.

Auch für die US-Wirtschaft hat die NAFTA - bei allen Vorteilen im Handel - Schattenseiten. Das Handelsbilanzdefizit mit den beiden Nachbarstaaten habe sich seit 1993 fast verzehnfacht, rechnet Sarah Anderson vom Institut für Politische Wissenschaft in Washington vor.

USA: 766.000 Arbeitsplätze gestrichen

766.000 Arbeitsplätze in den USA wurden demnach gestrichen, weil Firmen ihre Produktion nach Mexiko oder Kanada verlegten oder dem Konkurrenzdruck aus dem Billiglohnland Mexiko nicht mehr gewachsen waren.

Der Handelsbeauftragte Zoellick weist die Kritik zurück. Die NAFTA habe den "Amerikanern geholfen, besser zu arbeiten, mehr Geld zu verdienen und ihre Kaufkraft zu erhöhen", heißt es in einem Bericht seines Büros zum zehnjährigen Jubiläum. Damit seien auch qualifiziertere Arbeitsplätze und höhere Löhne geschaffen worden

Der Außenhandel zwischen den drei Ländern habe sich binnen zehn Jahren von 306 auf 621 Milliarden Dollar (497 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt. Durch die Handelserleichterungen spare jeder Vier-Personen-Haushalt in den USA jährlich im Schnitt 930 Dollar, rechnet das Handelsministerium vor.

Zentralamerikanischen Freihandelszone

Mit El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua hat Zoellick deshalb vor zwei Wochen bereits die Gründung einer zentralamerikanischen Freihandelszone CAFTA vereinbart. Im zweiten Quartal sollen Gespräche über die FTAA mit den Andenstaaten Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien sowie mit Panama beginnen.

Die stärksten Widerstände dagegen kommen derzeit noch vom südamerikanischen Handelsriesen Brasilien, der den amerikaweiten Freihandel nicht nach NAFTA-Vorbild geregelt wissen will. In Miami verbuchte das Land immerhin einen Zwischenerfolg: Alle beteiligten Staaten in der FTAA sollen selbst bestimmen dürfen, wie weit sie mit der Öffnung ihrer Märkte gehen wollen. (APA)

Share if you care.