Weltweit verstärkte Antiterror-Maßnahmen vor Silvesterfeiern

1. Jänner 2004, 13:46
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300.000 Polizisten in Moskau - Istanbul sagt Neujahrsfeier ab

Washington/London - Aus Sorge vor neuen Terroranschlägen gelten weltweit schärfste Sicherheitsvorkehrungen vor den Silvesterfeiern. Wenn an diesem Mittwoch Millionen Menschen das neue Jahr willkommen heißen, sind vor allem in den Metropolen Zehntausende Polizisten und Sicherheitsbeamte im Sondereinsatz. In den USA gilt die zweithöchste Terroralarmstufe ("Code Orange") nach Angaben des Heimatschutzministers Tom Ridge mindestens bis zum Neujahrstag weiter. Der Grund für die seit einer Woche geltende Maßnahme war ein "erheblicher Anstieg" an "glaubwürdigen Hinweisen" auf mögliche Anschläge.

Luftraum gesperrt

Besonders in den großen US-Städten wurden die Sicherheitsmaßnahmen stark verschärft. In New York, Los Angeles, San Francisco und Washington patrouillieren schwer bewaffnete Polizisten an Sehenswürdigkeiten, Brücken und in U-Bahnen. Der Luftraum über New York und Las Vegas wird über Silvester vorsorglich für den privaten Flugverkehr gesperrt, wie der TV-Sender CNN am Dienstag unter Berufung auf das Heimatschutzministerium berichtete.

New York mit Hubschraubern überwacht

In New York, wo eine halbe Million Menschen zur traditionellen Silvesterfeier auf dem Times Square erwartet werden, soll der Luftraum mit Hubschraubern überwacht werden. Wer dort die sinkende Glaskugel sehen will, muss scharfe Kontrollen in Kauf nehmen und sich auf stundenlange Wartezeiten einrichten - ganz ohne Gepäck, selbst flüssigen Proviant dürfen die Besucher nicht mitbringen. Für die Stadt New York war wenige Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die zweithöchste Terroralarmstufe "Orange" ausgesprochen und seitdem nicht mehr aufgehoben worden.

Metalldetektoren in Moskau

Mit rund 300.000 Polizisten wollen die russischen Behörden zu Silvester für Sicherheit in den Großstädten sorgen. Vor allem Lastwagen sollten an den Stadteingängen überprüft werden, meldete die Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Dienstag unter Berufung auf Vize-Innenminister Sergej Schatschadrin. Große Plätze, auf denen viele Russen nach den Schlägen der Kreml-Uhr das Neue Jahr feiern wollen, sollten von Polizisten mit Hunden bewacht werden. Auch in U-Bahnstationen, die während der Silvesternacht traditionell geöffnet bleiben, ebenso wie in Bahnhöfen werde verstärkt kontrolliert, sagte Schatschadrin. Die russischen Behörden befürchten vor allem Anschläge tschetschenischer Rebellen.

3000 Polizisten in London

Auch in Großbritannien gilt wegen einer vermuteten Terrorgefahr bereits seit längerem eine der höchsten Sicherheitswarnstufen. In London sollen rund 3.000 Polizisten zum Jahreswechsel im Einsatz sein. Etwa 100.000 Menschen werden zu einem Feuerwerk am "London Eye", dem Riesenrad am Themse-Ufer, sowie zu Silvesterfeiern an zentralen Plätzen der Stadt erwartet. Die britische Botschaft in der peruanischen Hauptstadt Lima wurde wegen einer nicht näher erläuterten "Bedrohungslage" vorsorglich bis Silvester geschlossen. Laut Angaben der peruanischen Polizei brachte eine Durchsuchung des Gebäudes keine Ergebniss.

Istanbul sagt Neujahrsfeier ab

Die Stadt Istanbul sagte aus Furcht vor möglichen Terroranschlägen eine Neujahrsfeier mit Konzerten und einem Feuerwerk auf dem Taksim-Platz im europäischen Zentrum der Millionenstadt ab. Die Entscheidung der Stadtverwaltung ist eine Folge der Selbstmordanschläge islamistischer Terroristen, bei denen im November in Istanbul 62 Menschen getötet und mehr als 750 weitere verletzt worden waren.

Petersdom verstärkt überwacht

Auch in Italien und Frankreich gilt über Neujahr die erhöhte Alarmbereitschaft weiter. In Rom wurde vor allem die Bewachung des Petersdomes, wo Papst Johannes Paul II. zu Silvester und Neujahr Gottesdienste feiert, deutlich verstärkt. In Frankreich wird der Luftraum mit Jagdfliegern überwacht, die Marine kontrolliert die Küsten und Polizeibeamte sind verstärkt in Einrichtungen wie Bahnhöfen und Flughäfen im Einsatz.

12.000 Beamte im Irak

In Polen riefen Polizei und Innenministerium zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. Kirchen und Orte großer Menschenansammlungen werden intensiver geschützt. Auch in Bagdad werden vor Silvester die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Polizei will mit bis zu 12.000 Beamten möglichen Angriffen auf Iraker und Ausländer vorbeugen. In der griechischen Hauptstadt Athen wurden indes die Schutzmaßnahmen wegen der im August 2004 anstehenden Olympischen Spiele bereits vor einiger Zeit deutlich erhöht. (APA)

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    Der Rote Platz in Moskau, wo zum Jahreswechsel zehntausende Menschen auf den Glockenschlag der Kremluhr warten, darf heuer erst nach einer Personenkontrolle mit Metalldetektoren betreten werden. Mehr als 7.000 Polizisten sollen die Plätze im Zentrum der russischen Hauptstadt schützen.

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