Toledo: Haider nicht so wichtig nehmen

31. Dezember 2003, 19:31
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Israels Botschafter in Österreich würdigt Bemühungen der Regierung - Antisemitismus nehme in Europa zu

Wien - "Wir können nicht einfach vergeben oder vergessen", sagte Israels designierter Botschafter in Österreich, Avraham Toledo; Israels Beziehungen zu Österreich und Deutschland würden immer etwas besonderes sein. Er würdigte jedoch die Bemühungen der österreichischen Regierung: "Ich denke, die Bundesregierung hat vieles getan, um Verantwortung für das Naziregime zu übernehmen, das haben vorangehende Regierungen nicht gemacht. Die österreichische Regierung hat hier einen richtigen Schritt vorwärts gemacht."

Der designierte Botschafter, der nun noch von der österreichischen Regierung formal bestätigt werden muss, ist schon seit Sommer 2001 in Wien. Seine Arbeit sei in den letzten zweieinhalb Jahren nicht leicht gewesen, erinnerte sich Toledo: "Ständig musste ich zwischen Israel und Österreich vermitteln. Die Österreicher hatten das Gefühl, es geschehe viel, was in Israel Beachtung finden sollte. Und so fragten sie oft, was denn nun los sei. In meinem Ministerium in Israel gab es wiederum Leute, die dachten, Österreich tue in Israel nicht genug. Deshalb hat es länger gedauert, als beide Seiten eigentlich gewollt hatten." Österreich solle nun auch die Querelen mit der Israelitischen Kultusgemeinde rasch beilegen und die Verfolgung der letzten lebenden Kriegsverbrecher aktiv unterstützten, meinte Toledo im ORF-Radio.

"Wir kennen Haider als Antisemiten"

Die jüngsten Vergleiche Israels mit einer Diktatur durch den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider nimmt Toledo zwar "nicht locker", aber doch gelassen: "Wir kennen Haider als Antisemiten. Seine Aussagen haben uns nicht überrascht", meinte Toledo, der Englisch sprach, laut ORF-Übersetzung: "Die Österreicher selbst haben entschieden, dass Haider nicht mehr so wichtig ist", verwies er auf die letzten Wahlniederlagen der Freiheitlichen.

Hände schütteln kein Problem

Nichtsdestotrotz will sich der künftige Botschafter - er muss noch von der österreichischen Regierung bestätigt werden, dabei handelt es sich aber um eine reine Formsache - auch in den Beziehungen zu den Freiheitlichen allgemeiner Höflichkeitsregeln befleißigen: "Wir sind höfliche Menschen, wir treffen andere Leute, wir schütteln einander die Hände - kein Problem."

Antisemitismus kein österreichisches Spezifikum

Was eine vielfach registrierte Zunahme des Antisemitismus betrifft, sieht Toledo kein österreichisches Spezifikum: "Unglücklicherweise nimmt der Antisemitismus in Europa zu. Das zeigt, dass die Welt 55 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt hat."

Änderung der Haltung der EU

Bezüglich der Haltung der Europäischen Union gegenüber seinem Land hofft Toledo auf eine Änderung: "Die EU war zumindest bisher mehr auf der Seite der Palästinenser als auf der Seite Israels, aber vielleicht ändert sich das jetzt. In den letzten Monaten höre ich auch von Außenministerin (Benita) Ferrero-Waldner, dass Europa seine Politik gegenüber Israel überdenken sollte." (APA)

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    Der neue Botschafter Israels in Österreich, Avraham Toledo, rät, Haider nicht zu wichtig zu nehmen.

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