"Pettersen springt brutal gut"

2. Jänner 2004, 11:14
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Martin Höllwarth hat die Hoffnung auf den Tour-Sieg aber noch nicht aufgegeben - Weiter geht's am 1. Jänner in Garmisch-Partenkirchen

Oberstdorf - Martin Höllwarth stand am Montag in Oberstdorf schon zum insgesamt siebenten Mal bei der Vierschanzen-Tournee auf dem Podest, dem ersten Sieg läuft er aber weiter hinterher. "Zum Gewinnen gehört auch Glück", erklärte der 29-Jährige, der beim Auftakt zur traditionellen Skisprung-Serie "Überflieger" Sigurd Pettersen (NOR) und seinem Teamkollegen Thomas Morgenstern den Vortritt lassen musste. "Pettersen springt brutal gut. Mein Sprung war auch gut, aber ich weiß nicht, wo er die Meter hernimmt", sagte Höllwarth, der vom Norweger im Finale um 10,5 m distanziert wurde.

Schon kleine Windunterschiede würden auf der umgebauten Schattenberg-Schanze große Unterschiede in der Weite ergeben, glaubt Höllwarth. Sein persönliches Ziel hat er immerhin erreicht, die Hoffnung auf den ersten ÖSV-Gesamtsieg seit Andreas Widhölzl 1999/2000 lebt. "Mir ist es gelungen, gute Sprünge zu machen, in der Gesamtwertung ist trotz des Vorsprungs von Pettersen noch nichts entschieden", erklärte der gebürtige Zillertaler, der gleich nach dem Bewerb heim zu seiner Familie nach Telfs fuhr und am Dienstag zum gemeinsamen Trockentraining mit dem Team nach Garmisch-Partenkirchen weiterreiste.

Am Neujahrstag in Garmisch

Auf der zweiten Station wartet am Neujahrstag (Training/Qualifikation am Mittwoch) die traditionelle Olympia-Schanze, die mit einem K-Punkt von 115 m nach dem Umbau von Oberstdorf nun die kleinste bei der Tournee ist. "Es ist die einzige mit einer eigenen Charakteristik", sagte Höllwarth, der beim SC Partenkirchen in den zwei vergangenen Jahren Siebenter und Zehner gewesen war. Diesmal sieht er ebenso wie ÖSV-Sportdirektor Toni Innauer auf dem noch nicht modernisierten Bakken eine Chance. "Wenn wir Pettersen erwischen, dann in Garmisch. Diese Schanze lässt Überraschungen zu", glaubt Innauer.

Pettersen hatte nach seinem zweiten Saisonsieg das ausgezeichnete Klima im Team der Norsker und die Rolle von Trainer Mika Kojonkoski als Erfolgsfaktoren hervorgehoben. "Er hat die Trainingsmethoden und technischen Ideen verändert und uns vor allem Selbstvertrauen gegeben", sagte der 23-Jährige.

Hölllwarth fordert Gewichtslimit

Höllwarth erweiterte die Aufzählung der Erfolgsgeheimnisse des Ex-ÖSV-Trainers Kojonkoski um das geringe Körpergewicht. "Leichte Athleten fliegen nun einmal besser", sagte Höllwarth, der selbst unter dem finnischen Coach im Vergleich zur Ära von Heinz Koch fünf Kilogramm abgenommen hatte. Nun wiegt der 1,82 m große Athlet 65 Kilogramm und fühlt sich dabei recht wohl. "Wenn ich nur noch hungern muss, macht es keinen Spaß mehr, da werfe ich das Handtuch", erklärte Höllwarth und sprach sich für die Einführung von Gewichtslimits im Verhältnis zur Körpergröße aus. Da müssten zu leichte Springer bestraft werden. Die von ihm angesprochenen Bleiwesten kommen wegen der Verletzungsgefahr bei Stürzen wohl nicht in Frage.

Das (zu) geringe Gewicht bei Skispringern war nach Äußerungen des deutschen Springers Frank Löffler zuletzt wieder zum Thema geworden. Die Springer untereinander redeten kaum über dieses Thema, sagt Höllwarth. Für ihn ist die Frage des idealen Gewichts eine Gratwanderung. "Wenn ich abnehmen will, bin ich nur schlecht aufgelegt, das bringt nichts." Deshalb isst er immer wieder größere Portionen, "fast doppelt so viel wie die anderen".

Hungergefühle

Um ein niedriges Gewicht komme man aber nicht herum, sagt Höllwarth. Es gelte ein gutes Mittelmaß zu finden, um auch über die nötige Sprungkraft zu verfügen. Das Abnehmen ist in Springerkreisen so etwas wie ein Tabuthema, doch Höllwarth gibt offen zu, dass er während der Tournee immer wieder Hungergefühle verspürt. "Wenn man ganz vorne mitspringen will, muss man mitziehen."(APA)

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    Über den Wolken...

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