Erfolgreiches Jahr für die Wiener Börse

14. Jänner 2004, 14:13
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ATX verzeichnet einen Jahresgewinn von 34,4 Prozent - RHI, VA Tech, Palfinger und Brauereien größten ATX-Gewinner - Mit Infografik

Wien - Neidische Blicke auf die internationalen Aktienmärkte haben Wiens Börsianer seit der Jahrtausendwende nicht mehr nötig. Im Gegensatz zum internationalen Umfeld verzeichneten heimische Aktien bereits das dritte Jahr in Folge Kursgewinne.

Analysten zählen die Osteuropafantasie, die ÖIAG-Privatisierungen und die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge zu den Haupttriebfedern des breiten Kursaufschwungs in Wien. Der Leitindex ATX stieg im Jahresabstand um 34,4 Prozent auf 1.545 Punkte (Dienstag Schluss). Erst zu Beginn dieser Woche hatte der ATX den höchsten Stand seit Juni 1998 markiert.

Damit hat die kleine Wiener Börse 2003 - wie jedes Jahr seit der Jahrtausendwende - ihre großen internationalen Pendants hinter sich gelassen. Wer zu Jahresende 2000 in heimische ATX-Titel investierte, konnte im Schnitt 44 Prozent Kursgewinne erzielen, während an anderen Börseplätzen trotz der heuer starken Kurserholung die Bilanz in roten Zahlen gezogen werden muss: Der breite US-Aktienmarkt verlor im selben Zeitraum gemessen am S&P-500 16 Prozent, die im Eurostoxx-50 zusammengefassten europäischen Titel brachen durchschnittlich sogar um 42 Prozent ein.

Gemächlicher Start

Nach einem gemächlichen Start ins Börsenjahr 2003 schäumten ab April die Übernahmegerüchte am Wiener Aktienmarkt förmlich über. Tatsächlich bereitete der niederländische Getränkekonzern Heineken bereits die Übernahme der BBAG, Österreichs größter Braugruppe, vor.

Anfang Mai wurde die insgesamt 1,9 Mrd. Euro schwere Transaktion bekannt gegeben: Heineken schluckt den gesamten BBAG-Konzern und findet den Streubesitz von BBAG und der Biertochter Brau-Union ab. Die Biertitel beendeten das Jahr 2003 mit Kursaufschlägen von 86 Prozent (BBAG) bzw. 128 Prozent (Brau-Union), beide Aktien wurden inzwischen aber aus dem ATX gestrichen.

Die Übernahmestory habe viel internationales Interesse auf den Wiener Markt gelenkt, meinen viele Marktteilnehmer rückblickend. Richtig in Form kam der breite Wiener Markt aber erst ab Mai, als sich Gerüchte über eine geplante Übernahme des Stahlkonzerns voestalpine - unter den möglichen Interessenten wurde auch Frank Stronachs Magna-Konzern genannt - verstärkten.

Schließlich erfolgte die fast vollständige Privatisierung des Konzerns durch eine breite Streuung der ÖIAG-Anteile im Zuge eines Börsegangs, wodurch eine Übernahme vorerst unwahrscheinlich erscheint. Wenig später gab die Staatsholding auch ihre verbleibenden Anteile am Edelstahlkonzern Böhler Uddeholm über die Börse ab. voestalpine gewannen auf Jahressicht 40 Prozent und Böhler legten 21 Prozent zu. Gut hat die Platzierung eines 9-prozentigen ÖIAG-Pakets scheinbar auch dem Aktienkurs der VA Technologie getan, die sich mit plus 65 Prozent zum zweit-erfolgreichsten ATX-Titel entwickelte.

BA-CA mit Börsecomeback

Erfolgreich trotz eines anfänglichen Kursausrutschers entwickelte sich auch das Börsecomeback der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die Aktie beendete das Handelsjahr um 40 Prozent über dem Ausgabepreis. BA-CA erfreute sich nach dem Zweitlisting an der Warschauer Börse an zusätzlicher Nachfrage polnischer Pensionsfonds und profitierte laut Analysten ebenso wie die Erste Bank (plus 53 Prozent) wegen ihrer CEE-Tochterbanken von der Osteuropafantasie. Platzierungen von Altaktionären vergrößerten Streubesitz und Liquidität auch bei Andritz (plus 65 Prozent) und Wienerberger (plus 25 Prozent).

Die deutlichsten Kursgewinne verzeichnete aber der Feuerfestkonzern RHI mit plus 105 Prozent, was Analysten mit einer Turnaround-Story erklären. Ein deutliches Plus erzielte auch der konjunktursensible Kranerzeuger Palfinger mit 57 Prozent Jahresgewinn. Gegen den Trend entwickelten sich nur Austrian Airlines mit minus 5,5 Prozent deutlich negativ. Die Aktien gingen nach Streiks des Bordpersonals in einen Sinkflug über.

In der zweiten Reihe feierten BETandWIN.com ein regelrechtes Kursfeuerwerk und konnten sich im Jahresverlauf mehr als verfünffachen. Der knapp am Aus vorbei geschrammte Spielehersteller JoWooD gewann 189 Prozent, der Strumpfhersteller Wolford überzeugte mit plus 94 Prozent.

Optimismus 2004

Grundsätzlich optimistisch bleiben heimische Analysten auch für das neue Börsenjahr 2004: Die Erste Bank sieht den ATX gegen Ende des ersten Quartals bei 1.600 Punkte und erwartet bis Jahresende einen weiteren Anstieg auf 1.670 Zähler. Skeptischer zeigen sich die Experten der Raiffeisen Centrobank mit einer März-Prognose von 1.550 Einheiten und einem vorsichtigen Anstieg im weiteren Jahresverlauf auf 1.570 Punkte.

Insgesamt wurde an der Wiener Börse 2003 ein neues Rekordvolumen von 2,1 Mrd. Euro platziert. Börsevorstand Stefan Zapotocky will die Marktkapitalisierung in Wien bis 2006 von 41,9 Mrd. Euro (Stand Anfang Dezember) auf 50 Mrd. Euro vergrößern. Bis 2010 will die Wiener Börse mit 70 bis 80 Mrd. Euro Kapitalisierung fast doppelt so schwer werden. (APA)

  • Neidische Blicke auf die internationalen Aktienmärkte
haben Wiens Börsianer seit der Jahrtausendwende nicht mehr nötig
    foto: epa/barreira

    Neidische Blicke auf die internationalen Aktienmärkte haben Wiens Börsianer seit der Jahrtausendwende nicht mehr nötig

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    Der Höhenflug des ATX

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