USA drohen Fluggesellschaften mit Entzug der Landeerlaubnis

3. Jänner 2004, 16:48
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Bei Nichteinsetzung von von "Sky Marshalls" - Luftraum für Privatflugzeuge über New York und Las Vegas gesperrt

Washington - Ausländischen Fluggesellschaften droht eine Entziehung ihrer Landeerlaubnis für die USA, falls sie einer US-Direktive zum Einsatz so genannter Sky Marshalls nicht Folge leisten. Das erklärte der amerikanische Heimatschutzminister Tom Ridge am Montag in Washington. Der Anordnung zufolge müssen bei erhöhtem Terrorverdacht auf Flügen über amerikanischem Gebiet bewaffnete Flugbegleiter an Bord sein. Mehrere internationale Fluggesellschaften sagten bereits ihre Kooperation zu. Bei der heimischen Austrian (AUA) will man vor einer offiziellen Aufforderung durch die US-Behörden nicht reagieren.

Ein AUA-Sprecher erklärte am Dienstag gegenüber der APA, bisher kenne man die US-Forderung nur aus den Medien. Wenn die AUA sich einer diesbezüglichen offizielle Aufforderung gegenübersehe, werde man sich damit auseinandersetzen, wollte der Sprecher sich derzeit auf keine Vorgangsweise festlegen lassen.

Luftraumsperre

Der Luftraum über New York und Las Vegas wird über Silvester unterdessen für den privaten Flugverkehr gesperrt. Das berichtete der Nachrichtensender CNN am Dienstag unter Berufung auf das Heimatschutzministerium in Washington. Auch der Luftraum über Stadien soll während größerer Football- oder Baseballspiele in den kommenden Tagen gesperrt werden. Heimatschutzminister Tom Ridge hatte am Vorabend gesagt, dass die zweithöchste Terroralarmstufe "Orange" mindestens noch bis zum Neujahrstag aufrechterhalten werden wird. Diese Alarmstufe war am 21. Dezember aus Sorge vor möglichen neuen Terroranschlägen ausgerufen worden.

Washington behalte sich das Recht vor, die Erlaubnis zur Landung in den USA oder zu Flügen über amerikanisches Gebiet zu widerrufen, sagte Ridge. Er erklärte weiter, die erhöhte Terrorwarnstufe werde mindestens bis Neujahr beibehalten. "Wir sind heute noch so besorgt, wie wir es gestern waren", sagte der Minister.

Australien kündigte am Dienstag an, Anfang kommenden Jahres ein Abkommen mit den USA über den Einsatz von Sky Marshalls auf Flügen zwischen beiden Staaten zu unterzeichnen. Beide Seiten verhandelten darüber bereits seit Monaten, sagte Justizminister Chris Ellison in Canberra. Daher fühle sich Australien von der neuen Direktive nicht betroffen.

Die mexikanische Regierung erklärte sich mit den neuen US-Vorschriften einverstanden. Auf allen Flügen mit erhöhtem Sicherheitsrisiko sollten künftig bewaffnete Begleiter eingesetzt werden, sagte Innenminister Santiago Creel am Montag in Mexiko-Stadt.

Bestimmte Flüge von Frankreich in die USA werden bereits seit der vergangenen Woche von Polizisten der Eliteeinheit GIGN begleitet, wie die französische Tageszeitung "Liberation" unter Berufung auf Kreise des Pariser Innenministeriums berichtete. Die Entscheidung dafür sei am 22. Dezember getroffen und einen Tag später umgesetzt worden. An Bord befänden sich je nach Flugzeugtyp und Zahl der Passagiere zwei bis sechs Sky Marshalls.

Welche Flüge begleitet werden sollen, will Frankreich dem Bericht zufolge unabhängig von den USA treffen. "Liberation" zitierte einen Vertreter des Innenministeriums mit den Worten: "Es ist auf keinen Fall die Absicht Frankreichs, dauerhaft bewaffnete Männer in Flugzeugen einzusetzen."

Auch ein Lufthansa-Sprecher erklärte am Montag, auf einigen Flügen in die USA seien bereits jetzt Sky Marshalls im Einsatz. Dies könne im Falle neuer Vorschriften auch verstärkt geschehen. Großbritannien hatte bereits am Sonntag angekündigt, es werde auf einigen transatlantischen Flügen bewaffnete Flugbegleiter einsetzen. Die niederländische Fluggesellschaft KLM und die russische Aeroflot wollen der US-Forderung ebenfalls nachkommen. Die Luftfahrtbehörde in Moskau betonte allerdings am Dienstag, noch sei keine Entscheidung darüber gefallen, ob Russland der US-Direktive Folge leisten werde. (APA/AP/dpa)

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