Kein Pfeffer

13. Jänner 2004, 14:47
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Sehr viel härter als der ehemalige ORF-Intendant Gerhard Weis kann man es nicht sagen. Ein Problem des ORF sei der "Verkündigungsjournalismus" ...

Sehr viel härter als der ehemalige ORF-Intendant Gerhard Weis kann man es nicht sagen. Ein Problem des ORF sei der "Verkündigungsjournalismus", symbolisiert durch "ZiB 2"-Interviews mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel: "Da gibt es keine Auseinandersetzung und kein Nachfragen, sondern eine Verkündigung. Wenn man jetzt also sagt, der einst kritische ORF-Journalismus ist zu einem Verkündigungsjournalismus verkommen, dann hat das insoweit seine Berechtigung, als Verkündigungsjournalismus ganz offenkundig das Ziel derer ist, die jetzt in der Politik das Sagen haben. Damit wird das ganze fad und verliert jenen Pfeffer, von dem kritische Information lebt."

Nun wollte Weis weiter Generalintendant bleiben und wurde von der schwarz-blauen Koalition durch Monika Lindner ersetzt. Das muss man in Rechnung stellen. Aber er sagt nur, was jeder einigermaßen wache Konsument der ORF-Informationssendungen auch feststellen muss: Hier wird zu selten der Versuch gemacht, das verbale Cello-spiel des Kanzlers ("alles ist in Ordnung, schrumm, schrumm") oder die Motivationsseminar-Suada des Finanzministers aufzubrechen. Es fehlt der Pfeffer. Man schaut nicht mehr hin. (Hans Rauscher/DER STANDARD; Printausgabe, 30.12.2003)

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