Gespanntes Verhältnis zu Bruno Kreisky

25. Jänner 2004, 20:27
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Der Dauerkonflikt gipfelte darin, dass Kreisky Wiesenthal Nazi-Kollaboration unterstellte

Wien - Legendär ist das gespannte Verhältnis des Nazi-Jägers Simon Wiesenthal zum SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky, der selbst Jude war und vor den Nationalsozialisten fliehen hatte müssen. Dieser Konflikt brachte Wiesenthal ab den siebziger Jahren immer wieder in die Schlagzeilen. So protestierte er 1970 wegen ihrer NS-Vergangenheit gegen vier Minister der Minderheitsregierung Kreiskys. Einige Jahre machte er auf die Vergangenheit des damaligen FPÖ-Obmanns Friedrich Peter aufmerksam.

Bei den vier Ministern handelte es sich um Otto Rösch (Innenminister), Josef Moser (Bauminister), Erwin Frühbauer (Verkehrsminister) und Hans Öllinger (Landwirtschaftsminister). Sorgfältig listete Wiesenthal in seinen Lebenserinnerungen "Recht, nicht Rache" auch die NSDAP-Mitgliedsnummern der Genannten auf.

Eklat

Mitte der siebziger Jahre deckte Wiesenthal dann die SS-Vergangenheit des damaligen FPÖ-Obmannes Friedrich Peter auf, der politisch ein gutes Verhältnis zu Kreisky aufgebaut und dessen Minderheitsregierung unterstützt hatte. In einer Pressekonferenz präsentierte er den Journalisten das über Peter gesammelte Material. Kreisky konterte mit einem TV-Auftritt, in dem er Peter verteidigte und erklärte, er glaube diesem, wenn er sage, dass er sich keiner NS-Kriegsverbrechen schuldig gemacht habe.

Als Kreisky darauf auch noch die Behauptung in den Raum stellte, Wiesenthal selbst könnte ein Nazi-Kollaborateur gewesen sein, klagte dieser. Kreisky nahm die Äußerung zurück, erhob sie aber rund ein Jahrzehnt später neuerlich, konnte den Wahrheitsbeweis nicht antreten und wurde wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von damals 270.000 Schilling verurteilt. "Kreisky hat verloren, und anstatt die Geldstrafe zu bezahlen, ist er gestorben", hat Wiesenthal den Ausgang dieses Konflikts Jahre später kommentiert. (APA)

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