"Kritische Basisstimmen" sind wichtig

2. Jänner 2004, 11:08
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Schwarz-grüne Reibungspunkte bisher ausgeblieben - Der grüne Umweltlandesrat Rudi Anschober im STANDARD-Interview

Standard: Zwei Monate schwarz-grüne Pionierarbeit - eine erste Bilanz?

Anschober: Wir sind sicher kein Pionier-, sondern ein oberösterreichisches Projekt, das wahrscheinlich anderswo - oder besser: mit anderen handelnden Personen - nur viel schwieriger funktionieren würde, denn eins muss man klarstellen: Landeshauptmann Josef Pühringer ist nicht Wolfgang Schüssel, und in der Landeskompetenz haben wir etliche Konfliktlagen nicht. Für eine Bilanz ist es noch etwas früh, aber es läuft überraschend gut - der Start von null weg hat sehr gut geklappt.

Standard: Schwarz-grüne Reibungspunkte sind also bis dato ausgeblieben?

Anschober: Es hat noch keine unlösbaren Probleme gegeben. Wenn man zum Beispiel das durch eine deutliche finanzielle Stärkung im Umwelt- und Sozialbereich mit einer klaren grünen Handschrift versehene Budget 2004 oder auch die Asylklage hernimmt, haben wir in sehr kurzer Zeit sehr viel erreicht. Ich bin mir aber sicher, dass auch noch Konflikte kommen werden. Das liegt aber bei der Zusammenarbeit zweier sehr verschiedener Parteien in der Natur der Sache.

Standard: Haben Sie das Gefühl, eine breite Basis hinter sich zu haben, die Ihnen geschlossen den Rücken stärkt?

Anschober: Unsere Zusammenarbeit mit der ÖVP wird nach wie vor auch von kritischen Basisstimmen begleitet. Dies ist aber auch durchaus wichtig und muss Gehör finden. Es hat sich aber eine große Mehrheit für diesen Weg entschieden.

Standard: Besteht nicht die Gefahr, dass irgendwann das junge schwarz-grüne Bauwerk ins Wanken gerät, wenn es am Fundament immer bröckelt?

Anschober: Nein, denn wir haben ja eine breite Zustimmung der Basis, und alles wird von unserer Arbeit abhängen. Kritische Stimmen - etwa aus den Reihen der Grünen Migranten - haben spätestens seit der Asylklage gemerkt, dass wir in Regierungsfunktion schneller und stärker agieren können als in Opposition.

Standard: Stichwort Asylklage: Wie sieht Ihrer Meinung nach der realistische Ausgang dieser "Österreich-Premiere" aus?

Anschober: Ich rechne in den nächsten drei bis vier Monaten mit einer Teilaufhebung. (DER STANDARD, Printausgabe 30.12.2003)

Von Markus Rohrhofer
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    Bisher habe es keine unlösbaren Probleme gegeben, sagt der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober: "Es läuft überraschend gut - der Start von null weg hat sehr gut geklappt." Anschober: Es hat noch keine unlösbaren Probleme gegeben. Rudi Anschober am Dienstag, 30. September 2003 waehrend einer Bilanzpressekonferenz zu den Landtagswahlen in Linz. APA-FOTO: rubra

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