"Hosgeldiniz" zum "Lei-Lei"

30. Dezember 2003, 18:59
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Wie die kulinarische Multikultur das Wiener Stadtbild prägt

Wien – Bisher waren es die Nechwatals und Pokornys, die mit ihren Namensschildern das Multikulturelle der Bundeshauptstadt dokumentierten. Inzwischen sind Nechwatal und Pokorny längst ins Urwienerische verwachsen, während andere das Neue in der Stadt zeigen. Da gibt es etwa seit etwas mehr als einem Jahr in der Hütteldorfer Straße jenen Standler, den die Hütteldörfler "Hosgeldiniz" nennen. Der fällt nicht auf, weil er Kebab bereitet – so etwas fällt in Wien längst nicht mehr auf –, sondern weil er sein Standl "Kismet KebapSIC – Ho¸sgeldiniz" nannte. Letzteres wird für den Standlernamen gehalten, was ein Irrtum ist: "Ho¸sgeldiniz heißt willkommen", lacht der Besitzer.

In einem anderen Kebablokal, das sich ins Penzinger Stadtbild fügte, versuchten sie es kürzlich auf Deutsch. Auf dem Schild vor dem Lokal wurde der "Tagesteller" angepriesen: "Putnschnitzl mit Pomm frist". Was eigentlich gar nicht so falsch ist, wenn man Letzteres frisst.

Wiener Kebabkultur

In der Hütteldorfer Straße befinden wir uns am Ursprung der Wiener Kebabkultur: Ein wenig weiter stadteinwärts findet sich nahe der Johnstraße der "Kandilli Sofra Imbiss", der bietet "anatolische Hausmannskost" und war der "erste Wiener KebapspezialistSIC".

Erobern die levantinischen Drehspieße erst seit ein paar Jahren den öffentlichen Raum, so sind die Chinarestaurants längst so integriert, dass sich bereits die Kulturen vermischen. So gab es etwa in der Hietzinger Maxingstraße das Lokal "Ma Xing". Das Restaurant "LeiLei" in der Burggasse hingegen gibt es noch – und wir nehmen schon an, dass dessen Besitzer den Villacher Fasching kennt. Ehemalige Besucher dieses Lokales berichten, dass dort das Essen ähnlich schmecke, wie der Villacher Fasching lustig ist.

Noch länger in Wien sind die Italiener. Die sind schon so lange in der Stadt, dass sie sich bereits wieder am Ausland orientieren. In der Margaretener Zentagasse lädt das "Pizzeria-Restaurant Loch Ness" zum Italienisch- Essen ein. Welches Ungeheuer sich in den Abgründen dieses Lokales verbirgt, haben wir nicht zu ergründen gewagt. (Roman Freihsl, Christian Fischer, Der Standard, Printausgabe, 29.12.2003)

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