Europas Luftfahrt vor Preiskrieg

8. Jänner 2004, 12:26
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Wachstum der Billigflieger stößt an Grenzen - Verdrängungswettkampf für 2004 prognostiziert

Frankfurt/Hannover - Die in den vergangenen zwei Jahren schwer getroffene Luftfahrtbranche hofft 2004 auf ein Ende der Krise. Optimisten halten sogar einen leichten Aufschwung für möglich. Allerdings steht der Branche nach Einschätzung von Experten ein regelrechter Preiskrieg bevor. Schon jetzt gilt als sicher: Fliegen wird 2004 noch günstiger. Das gilt weniger für die Billiganbieter, jedoch umso mehr für die Großen am Airline-Himmel. Die mittlerweile mehreren Dutzend Billigflieger in Europa werden stärker unter Druck geraten: Experten erwarten 2004 einen Verdrängungskampf mit ersten Übernahmen.

Fliegen sollte billiger werden

"Der Wettbewerb im Luftverkehr ist so intensiv, dass fliegen eher billiger wird", sagte kürzlich der neue Lufthansa-Chef, der gebürtige Österreicher Wolfgang Mayrhuber. Die Lufthansa, die noch vor wenigen Jahren ein wenig verächtlich auf die Billigkonkurrenz herabschaute, bedient sich wegen des Kostendrucks mittlerweile der Praktiken der Low-Cost-Flieger. So setzt die Kranich-Linie auf einigen Strecken auf den so genannten Ping-Pong-Verkehr mit Direktverbindungen anstelle der bisherigen längeren Flüge mit mehreren Zwischenstopps.

Insgesamt will die Lufthansa ihre Kosten in den kommenden zwei Jahren um etwa 1,2 Mrd. Euro drücken. Der Stellenabbau in den kommenden Jahren dürfte noch über die zunächst angekündigten 2.000 hinaus gehen. Der Sparkurs soll Lufthansa 2004 endlich wieder schwarze Zahlen bescheren. Immerhin verkündete der Lufthansa-Chef jetzt nach den Verlusten in den ersten drei Quartalen für das Gesamtjahr 2003 doch noch das erhoffte ausgeglichene operative Ergebnis, das die Austrian Airlines im abgelaufenen Jahr bereits geschafft haben.

Konzentrationsprozess wieder im Gang

Auch Konkurrenten wie die künftig fusionierten KLM und Air France oder British Airways erlitten 2003 kräftige Gewinneinbußen. Die Krise hat den Konzentrationsprozess in der europäischen Luftfahrtbranche wieder in Gang gesetzt. So hält Lufthansa nach dem Rückschlag bei den Bemühungen um einen Zusammenschluss mit der Swiss weiter Ausschau nach einem Partner.

Mit der Krise überkam die Luftfahrtbranche der Billigboom. Dem Beispiel der britischen Easyjet und der irischen Ryanair, den beiden Marktführern am europäischen Low-Cost-Himmel, folgten unzählige Nachahmer. Die Angebote überschneiden sich zunehmend. Die Zahl der attraktiven Flugstrecken geht allmählich aus.

Billigflieger stecken Felder ab

Der US-Luftfahrtexperte David Gillen, Vorsitzender des Wissenschafts-Beirates der jährlichen Aviation Conference in Hamburg, rechnet schon bald mit einer Verringerung. In den USA machten sich die mittlerweile beiden einzigen Low-Cost-Airlines Southwest und JetBlue keine Konkurrenz mehr. In Großbritannien haben Easyjet und Ryanair, die mittlerweile auch nach Deutschland expandiert sind, ihre Felder bereits abgesteckt. (APA/Reuters)

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