Oberstdorf: Pettersen dominierte

26. Dezember 2005, 11:39
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Der Norweger gewann nach spektakulärem Schanzenrekord vor den starken Österreichern Thomas Morgenstern und Martin Höllwarth

Christian Hackl aus Oberstdorf

Als Thomas Morgenstern um 12:30 Uhr den Probedurchgang eröffnete und 140 Meter weit segelte, lachte er noch vor der Landung. "Absolut geil", sagte er in der Luft zu sich selbst. Ihm war es völlig egal, dass dieser Versuch eine rein persönliche Angelegenheit war (Adrenalinschub!), gewertet wurde er nicht.

Drei Stunden und zwei ins Ergebnis aufgenommene Flüge später (132,5 und 129 m) stand er im Auslauf der Schattenbergschanze, winkte 23.000 Zuschauern, DJ Ötzi inklusive, zu. Und er gab schon wieder ein "absolut geil" von sich. Weitere Zitate: "Ein Wahnsinn." "Damit hätte ich nie gerechnet." "Ich habe mich so auf einen Wettkampf gefreut." "Eine echte Gaudi." Der 17-jährige Kärntner wurde also Zweiter. Am 29. November war er in Kuusamo schwer gestürzt, vor zehn Tagen konnte er das Training wieder aufnehmen. "Das ist abgehakt, es war nur ein Betriebsunfall."

Martin Höllwarth belegte in Oberstdorf den dritten Platz, Österreichs Springer wissen nun endlich, wo sie stehen. Nämlich ziemlich weit vorne. Worauf Cheftrainer Hannu Lepistö äußerst beruhigt war. "Ein sehr guter Start, darauf lässt es sich aufbauen."

Zum Sieg freilich reichte es bei weitem nicht, den gab der Norweger Sigurd Pettersen justament nicht her. Er führte schon nach dem ersten Durchgang, im Finale dann schaffte er endgültig die Verwandlung von einem Menschen in einen Vogel mit extremer Spannweite - 143,5 Meter, Schanzenrekord. Der 23-jährige Sportstudent aus Veggli distanzierte Morgenstern um 22,5 Punkte und staunte über sich selbst. "Das war eine Perfektion, von der ich nicht einmal geträumt habe. Ich bin wohl in Topform, spürte keinen Druck. An die Tournee denke ich nicht." Sein finnischer Trainer Mika Kojonkoski, der einst die Österreicher betreute, stellte trocken fest: "Er ist verdammt stark im Kopf." Für Pettersen war es der vierte Weltcupsieg, in dieser Saison gewann er bereits in Kuusamo.

Höllwarth verbesserte sich im zweiten Durchgang von Platz sieben aufs Stockerl. "Ich bin zufrieden, ein nahezu perfekter Auftakt. Pettersen war in einer anderen Liga."

Wenig Spaß

Für andere war die Gaudi freilich begrenzt. Andreas Goldberger konnte nach dem ersten Durchgang die Skier packen. Zuvor schüttelte er noch Sven Hannawald artig die Hand, der Deutsche hatte das Duell gewonnen, um auch nur 18. zu werden. Goldberger muss sich nicht mehr mit der Gesamtwertung beschäftigen, das ist eine gewisse Erleichterung. "I mag die Schanze, aber sie mag mi net. Dabei hatte ich ein gutes Gefühl. Der Wind war schlecht, aber daran bin ich gewöhnt. Griaß eich bis übermorgen. Jetzt muss ich wieder in die Qualifikation."

Matti Hautamäki bleibt zwar Finne, war aber Favorit. Er scheiterte an Reinhard Schwarzenberger, was ein Kunststück war, das gelingt ihm wohl nie wieder. Oder der Deutsche Martin Schmitt. Sie hatten Tausende Zettel verteilt, darauf stand geschrieben: "Schmitt schockt alle". Er schloss sich mit ein, Platz 27. Andreas Widhölzl kann sich die Tournee auch schon abschminken, er reihte sich direkt vorm Schocker ein.

Das Spiel wird am 1. Jänner in Garmisch fortgesetzt, am Tag davor steigt die Quali. Schwarzenberger, in Oberstdorf 29., also einer, der kaum Spaß hatte, wird Folgendes tun: "Trainieren, Video schauen, ein bisserl beten." Nicht zur Gaudi. Für die Gaudi. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 30.12. 2003)

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    Sigurd Pettersen verbeugte sich nach seinem Galaauftritt vor dem Publikum

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    Thomas Morgenstern zeigte keine Nerven und wurde hinter Überflieger Pettersen Zweiter

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