Worst Cuisine-Cases

31. Dezember 2003, 12:21
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Die Möglichkeiten, Katastrophen aller Art, Form und Farbe in der Küche zu erleben, sind sonder Zahl - ein Resümee des Tischnachbarn

Im Folgenden eine willkürliche Aufzählung von schlimmen Dingen, die einen dazu bringen können, nur mehr auswärts zu essen.


Grundbedingungen für die wahrhaftige Küchenkatastrophe sind: Es darf kein Blut fließen, es darf kein Inventar durch physikalische oder chemische Gewalt bleibend in seiner Struktur beschädigt werden, es soll also im Rahmen dessen bleiben, was man an einem kochenden Nachmittag/Abend gerade noch ertragen kann, einem aber dennoch den Hauch des Entsetzens übers Gesicht jagen, wenn man nur daran denkt. Die folgenden zehn Küchenkatastrophen sind solche, die mir entweder im letzten Jahr passierten, oder an die ich mich noch so gut erinnern kann, dass sie mir dieses Jahr eben nicht passierten. Die Poster sind herzlich dazu eingeladen, die Liste mit weiteren Schreckensszenarien zu ergänzen.

In den Fingernagel schneiden: Ist ganz, ganz schlimm. Und zwar sowohl mit der feinen, scharfen Klinge (brrrrr!), aber auch mit dem gewellten Brotmesser, zu dessen Verwendung man auch schon mal ein bisschen fester aufdrückt und daher tiefer in den (im konkreten Fall: Fingernagel des linken Zeigefingers, seitlich, brrrrrrr!!!) dringen kann. Übel, ganz übel.

Unreife Avocados: Klassischer Fall für den Blutrausch. Dass keine einzige der angebotenen Früchte auch nur annähernd genussreif ist, daran haben wir uns ja gewöhnt. Dass sie es aber auch nach tagelanger Lagerung und Versorgung mit Reifegasen vom Apfel nicht wird, und das an sich lustvolle Schälen der grünen Fettfrucht dann zu demütigenden Futzelwerk verkommt, für das eine Viertelstunde an realer Zeit und ein Lebensjahr an Nervenreserven draufgeht, das ist einfach zu viel.

Maroni-Mehl mit italienischen Würmern: Echt bitter, feines Kastanienmehl in Florenz gekauft, okay, schon ziemlich lange nicht benutzt, und im Augenblick, da ich wieder einmal zu der exotischen Zutat greifen will, draufgekommen, dass sich der Protein-Gehalt der vermahlenen Maroni deutlich gesteigert hat. Bittere Tränen.

Korkender Wein: Ein klassischer Fall, der belegt, dass es keinen Gott geben kann. Letzte Flasche eines exqisiten Getränks, für Essen mit Freunden zurückgehalten, am Höhepunkt der Reife, korrekt temperiert, und dann ein Kork-Stinker, der sogar einem Nasenlosen die Tränen ins Gesicht treibt. Leichtfertigerweise natürlich keine Ersatz-Flasche zur Hand, beziehungsweise nicht eingekühlt.

Verschüttete Milch: Zum Sprichwort geworden, deshalb aber nicht weniger tragisch. Besonders schlimm dann, wenn etwa durch ungeschicktes Herumhantieren im Kühlschrank (den holländischen Senf aus Gent suchen, der da hinten doch irgendwo stehen muss ...) das Milchpackerl aus dem obersten Fach mittels freiem Fall auf den Küchenboden verfrachtet wird; oder durch ruckartiges Öffnen der Kühlschranktüre, die eine gewichtige Milchflasche dazu veranlasst, sich nicht nur aus der Verankerung zu lösen, sondern am Küchenboden auch zu zerbrechen. Wunderbar, da hat man noch tagelang was davon.

Die entscheidende Zutat fehlt: Absolut bitter und ein Fall zum Haareraufen. Passiert vornehmlich am Sonntag und mit Dingen, die sich weder durch übermenschliche Fantasie kompensieren lassen, noch die beim Nachbarn vorrätig sein könnten.

Zu lang gewartet: Ein Fehler, den man sowieso nie machen sollte. Einzigartiger, portugiesischer Käse, der sich dem Genuss durch zu lange Reife nicht nur entzog, indem er sich in stinkenden Schleim verwandelte, sondern außerdem die ganze Wohnung kontaminierte; sündteurer Schinken vom iberischen Schwein, aufgespart, vergessen, zu Karton vertrocknet; Gänseleber, so abgelaufen, dass es schon wieder interessant wäre; hurtig eingefrorene Edelfische, Hummersuppen oder Ziegenbeine, vergessen, verschollen, im dritten Jahre wieder auferstanden als bloßer Gefrierbrand. Verwandte Katastrophen: Zum schnellen Ankühlen in die Tiefkühltruhe gesteckter und dort vergessener Schaumwein oder Bier; am Herd stehen gelassene Töpfe und Teekessel.

Ein Kochrezept, das man einfach überhaupt nicht mehr findet: Glücklich die, die nur ein einziges Kochbuch haben. Ab zwanzig Exemplaren aber sollte man sich ans Suchen und Blättern gewöhnen.

Es kann nur einen geben: Genau der Topf, den man jetzt aber ganz schnell und ganz dringend braucht, steckt im Geschirrspüler und ist mit unglaublichen Rückständen verkrustet.

Cast away:Sehr aufwändig gekocht, das Timing passte, aber die Gäste hatten entweder einen Achsbruch Höhe Amstetten, ein fieberndes Kind, einen elektronischen Kalender, der leider grad ein bisserl spinnt, oder eine sexuelle Handlung von derartiger Einzigartigkeit in Aussicht, dass man schon verstehen müsse ...

Von Florian Holzer
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