Eine Frage des Bewusstseins

2. Jänner 2004, 11:53
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Mehr Frauen in die Forschung: Biochemikerin Renée Schröder gegenüber Ratsplänen skeptisch

Gerade mal neun Prozent beträgt der Frauenanteil in der heimischen industriellen Forschung. Damit erreicht Österreich, wie berichtet, EU-weit unangefochten den letzten Platz. Um dieses Manko schleunigst zu beheben, kann man sich im Rat für Forschung und Technologieentwicklung zum Beispiel die Einführung von Gender-Mainstreaming-Programmen vorstellen. So sollen, wie Michael Binder vom Rat erzählt, Förderprogramme nach Faktoren untersucht werden, die die Beteiligung von Frauen eventuell verhindern könnten.

Die bekannte Biochemikerin Renée Schröder meinte dazu nun, diese Absichtserklärungen höre sie nun schon seit zehn bis 15 Jahren. Meistens bliebe nicht mehr als der gute Wille übrig. Man brauche kein Gender-Mainstreaming-Programm, wenn die junge Forschergeneration zwischen 35 und 45 gefördert würde. "Dann würde sich automatisch ein entsprechend hoher Frauenanteil ergeben." Mittlerweile seien nämlich die Hälfte aller AbsolventInnen der Naturwissenschaften (mit Ausnahme der technischen Studien) an den Unis Frauen. Das Problem sei nur, dass relativ wenige die wissenschaftliche Karriere einschlagen und noch weniger reale Aufstiegschancen hätten. Ob an den Unis oder in den außeruniversitären Forschungsinstituten.

Keine Quote

Wogegen sich Schröder in jedem Fall wehrt: eine Förderung von Frauen, nur weil es Frauen sind. "Eine Art Quotenregelung, das wäre kontraproduktiv." Bessere Positionen in der Forschung möge der bekommen, der auch qualifizierter ist. Jedes auch noch so gut gemeinte Programm sei aber zwecklos, wenn sich nicht die grundlegende Einstellung ändere. Solange also Männer den Frauen vorgezogen werden, ob sie nun mehr Erfolg mit ihrer Arbeit haben oder nicht.

Auch Michael Binder vom Forschungsrat meint, dass die Bewusstseinsbildung entscheidend sei. Allein 2004 stünden immerhin 2,6 Millionen Euro zur Verfügung, um Frauen mehr Möglichkeiten in der heimischen Forschungslandschaft zu bieten. (pi, DER STANDARD, Print, 29.12.2003)

  • Der Forschungsrat kann sich Gender-Mainstreaming-Programme vorstellen, um den Frauenanteil in der Forschung zu erhöhen ... Renée Schröder hört diese Absichtserklärungen schon seit Jahren.
    foto: photodisc
    Der Forschungsrat kann sich Gender-Mainstreaming-
    Programme vorstellen, um den Frauenanteil in der Forschung zu erhöhen ... Renée Schröder hört diese Absichtserklärungen schon seit Jahren.
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