Im Ausland studieren, lokal telefonieren

4. Jänner 2004, 21:07
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Studenten der Uni Wien können über die Plattform at43 gratis per Internet kommunizieren

Schon seit 2002 wird Enum - die Verbindung zwischen Internet und Telefonie - in Österreich getestet, allerdings nach dem Motto "Wenige Experten unter sich". Im Dezember sprang die Zahl der potenziellen User auf mehr als 70.000: Über die Plattform at43 können alle Studenten und Mitarbeiter der Uni Wien eine eigene Enum-Nummer beantragen.

Damit können sie über das Internet gratis telefonieren - per Computer mit Mikrofon und Lautsprecher oder über spezielle IP-Telefongeräte (die auch dann läuten, wenn der Computer abgeschaltet ist).

Theoretisch war Telefonieren per Internet - wenn auch mit einigem Aufwand - schon bisher möglich. Das Neue daran: Die Studenten können auch vom Festnetz aus angerufen werden. Die Oma muss also nicht unbedingt auf Internettelefonie umsteigen. Trotzdem zahlt sie für ein Telefongespräch mit der Enkelin nur ein Telefonat zur Universität Wien, was vor allem während des Auslandssemesters interessant sein dürfte.

Auch beim Rückruf vom Internet ins Festnetz wird nur ein Telefonat von Wien weg gezahlt - hier erfolgt die Verrechnung über einen Call-by-Call-Provider, bei dem man sich allerdings extra anmelden muss.

Inbegriffen ist auch eine Sprachbox: Ist die Studentin nicht erreichbar, wird eine Nachricht aufgenommen und später per E-Mail zugestellt. Das funktioniert über SIP, ein Protokoll, das Kommunikationsverbindungen im Internet aufbaut. Jeder Enum-Benutzer erhält eine SIP-Adresse, die seiner E-Mail-Adresse gleicht, und kann damit telefonieren, chatten, Videokonferenzen veranstalten oder online spielen. "Einige Hundert User haben wir schon", sagt Michael Haberler von nic.at, der österreichischen Internet-Adressenverwaltung. An der Plattform beteiligt sind auch das EDV-Zentrum der Uni Wien, die Rundfunk- und Telekom-Regulierungs-GmbH RTR und Unternehmen wie Telekom Austria.

"Enum ist ein wichtiger Schlussstein in der Verbindung von Internet und Telefon - und wir wollen vorturnen, wie es geht", sagt Haberler. Auch die Wirtschaftsuniversität Wien und die Uni Linz hätten Interesse gezeigt, an dem Versuch teilzunehmen. (wpl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 12. 2003)

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