Chatroom mit ruhigen Ecken

4. Jänner 2004, 21:07
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Forscher entwickeln digitale Organisation sozialer Prozesse

Angenommen, eine junge Frau hat von ihrem Vater ein Hotel geerbt und möchte ihr familiär erworbenes Wissen in einem Lehrgang für Tourismusmanagement vervollständigen. Angenommen, ein Professor an der Fachhochschule, für die sich die angehende Managerin entschieden hat, sucht für sein Seminar Studenten, die bereits Vorkenntnisse mitbringen. Wenn die beiden zueinander finden, nennt man das im IT-Sprech "Matching".

Profile automatisch zu erstellen und Menschen zum richtigen Zeitpunkt zu verbinden ist aber nur ein Teil des Projektes Intralife. Darüber hinaus hat das Research Studio Smart Agent Technologies auch interaktive Werkzeuge entwickelt, die das Arbeiten in Teams erleichtern. "Modernes Arbeiten wird immer mobiler und dezentraler - mit bekannten Problemen wie einem Gefühl der Überforderung, zunehmender sozialer Einsamkeit oder fehlender Motivation", schildert Mirjana Söhn, zuständig für das Projektmarketing. Genau da könnten virtuelle Plattformen helfen, das Gemeinsame vor das Individuelle zu stellen: Die neue Hotelbesitzerin etwa würde von der Plattform ihres Lehrgangs persönlich zugeschnittene Hinweise bekommen, von welchen Lehrveranstaltungen sie am meisten profitiert. Automatisch würde das Seminar zu Hotelmanagement jenes Professors empfohlen, der auf erfahrene Studenten setzt. Dieser könnte sich wiederum auf der Plattform die Vorgeschichte der Seminarbewerberin ansehen und ihr direkt eine Aufnahmebestätigung schicken.

Da jeder Teilnehmer der Plattform über ein persönliches Profil verfügt, das ständig durch seine eigenen Angaben, das Nachverfolgen seiner Aktivitäten und Bewertungen anderer aktualisiert wird, könne man auch relativ genau nach Experten für individuelle Fragen suchen, erzählt der technische Projektleiter Erich Gstrein: Das System liefert eine Auswahl von Ansprechpersonen, nach Kompetenz gereiht. Für den grafischen Chatroom wiederum haben sich die Entwickler des Research Centers von den üblichen Lösungen verabschiedet und bieten etwa einer Kleingruppe die Möglichkeit, sich durch Verschieben ihrer gezeichneten Stellvertreter in eine Ecke zurückzuziehen und dort ungestört zu reden.

Von Vertriebsschulungen bis hin zum Projektmanagement in verteilten Teams sollen die Anwendungsmöglichkeiten von Intralife reichen. Für das Arbeitsmarktservice wird nun ein erstes Projekt realisiert: Dort soll Intralife die Einschulung neuer Mitarbeiter unterstützen. (ez/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 12. 2003)

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