Das Jahr der Trendwende

14. Jänner 2004, 14:13
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Fondsmanager meinen, Aktien werden weltweit um bis zu 15 Prozent steigen - Asiatische Aktien, gefolgt von europäischen, sollten die besten Erträge bringen - mit Infografik

Keine der großen 45 europäischen Fondsgesellschaften erwartet im Aktienjahr 2004 Verluste. Der Euro wird zum Dollar weiter steigen, und Asien sowie Japan, aber auch Europa, werden die ertragreichsten Regionen für Aktienanleger werden. Das deckt sich mit einer Merrill-Lynch-Umfrage unter Vermögensverwaltern, in der den Schwellenländern Asiens die größte Unterbewertung und damit das höchste Potenzial eingeräumt wird.

Das erwarten Europas Fondsmanager laut einer aktuellen Umfrage des Finanzdienstleisters Morningstar. Über 90 Prozent wollen neue Fondsprodukte auflegen - auch wenn sie als Risiken für ihre gute Einschätzung zuerst weitere Terroranschläge, dann einen Dollarkollaps und eine Verlangsamung des Wirtschaftsbooms in China nennen. Finanzdienstleistern und der Grundstoffindustrie werden die besten Performance-Chancen eingeräumt, auch der Computerhardware wird noch einiges zugestanden. Sie war auch Spitzenreiter 2003: Der MSCI World Information Technology Index ist um 44 Prozent gestiegen, der größte Sprung aller Branchengruppen. Der MSCI World Materials Index kommt auf plus 37 - steigende Nachfrage aus China und höhere Kurse bei den Produzenten sorgten dafür.

Besonders belohnt wurde 2003, wer auf Small Caps und Schwellenländer setzte: Der MSCI World Small Cap Index, dessen Mitglieder eine Marktkapitalisierung zwischen 200 Mio. und 1,5 Mrd. Dollar haben, stieg um 51 Prozent, der MSCI Emerging Markets Index um fast 50 Prozent.

Weg vom schlechten Start

Insgesamt steht 2003 für die große Trendwende nach drei Jahren rekordverdächtiger Verluste an den Weltbörsen. Begonnen hat 2003 allerdings übel: Im März verzeichneten sämtliche Indizes historische Tiefstände, der japanische Nikkei fiel im April sogar auf ein 20-Jahres-Tief. Bergauf ging es, als die US-Truppen die Kontrolle im Irak verkündeten.

Den größten Satz unter den westeuropäischen Börsen machte der Dax, der auf Dollar-basis sogar 60 Prozent Gewinn verbuchte. Zweistelliges Kursplus konnten fast alle europäischen Börsenbarometer verbuchen. Auch der ATX stieg von 1300 auf 1550 Punkte.

An asiatischen und lateinamerikanischen Börsen liegen die Zuwächse sogar teilweise im dreistelligen Bereich. In dieser Region ging es ab Ende April aufwärts. Dabei hatte der MSCI Asia-Pacific Index zuvor noch ein 16-Jahres-Tief erreicht.

Parallel zur einsetzenden achtmonatigen Aktienrallye stieg auch Gold - auf Dollarbasis von 320 auf über 412. Die Anleihen zahlten allerdings im Juli für die neue Lust an den Aktien mit einem Kurscrash. Steigende Renditen werden den Staatsanleihen auch für die kommenden Monate prognostiziert.

Als stimulierend für den US-Aktienmarkt werten die meisten Experten für 2004 die anstehenden Präsidentenwahlen und eine Nachhaltigkeit des Konjunkturaufschwungs. Möglicherweise notwendige Zinserhöhungen werden daher moderat erwartet. In Europa sollte die anziehende Konjunktur im Konzert mit weiter verbesserten Unternehmensgewinnen und der Liquiditätsfaktor - europäische Fonds halten noch hohe Cash-Reserven - Platz für Kursgewinne an den Börsen schaffen. Unsicherheitsfaktor dabei ist aber immer auch das Wechselkursverhältnis von Euro und Dollar. Merrill Lynch etwa sieht es bei bis zu 1,44.

In den Asien-Vorschauen für 2004 wird hauptsächlich mit der industriellen Revolution in China und der daraus folgenden Nachfrage sowie dem steigenden Binnenkonsum sowie mit einem Aufwärtstrend in Japan argumentiert. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 29.12.2003)

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    Insgesamt steht 2003 für die große Trendwende nach drei Jahren rekordverdächtiger Verluste an den Weltbörsen

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