Afghanistan: Streit um Amtssprache blockiert Verfassungsabstimmung

4. Jänner 2004, 11:56
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Karsai drängt Delegierte der Loya Jirga zu Konsens

Kabul - Der Streit um die Amtssprachen in Afghanistan hat die Abstimmung der Großen Ratsversammlung über eine neue Verfassung auch am Samstag blockiert. Es herrsche Uneinigkeit über die Anerkennung der Sprache der usbekischen Volksgruppe als dritte offizielle Sprache nach Paschtu und Dari, sagte der Chef des Sekretariats der Verfassungskommission, Faruk Wardak, in Kabul.

Die Usbeken wollten demnach ihre Sprache als dritte Amtssprache in ganz Afghanistan durchsetzen. Andere Delegierte wollten dies jedoch nur in den Regionen, in denen viel Usbekisch gesprochen wird. Einige fürchten, die Forderung der Usbeken könne den Grundstein für einen föderalistischen Staat legen und Afghanistan spalten.

Abstimmung vertagt

Die Loya Jirga vertagte ihre Abstimmung erneut und will nun am Sonntagmorgen zu einer Entscheidung kommen. Ursprünglich war die Abstimmung über den Verfassungsentwurf für Donnerstag geplant gewesen. Der Termin war jedoch vor allem am Widerstand von Mudschahedin sowie von Vertretern ethnischer Minderheiten wie den Usbeken und Tadschiken gescheitert. Sie befürchten, dass die im Verfassungentwurf vorgesehene starke Stellung des Präsidenten ihren Einfluss schmälert.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai drängte die Delegierten, zu einem Konsens zu finden. Für eine Verfassung, welche die Ansichten und Interessen aller Afghanen berücksichtigen solle, müssten die Delegierten zumindest in die Nähe der Einstimmigkeit kommen, sagte er vor Journalisten im Kabuler Präsidentenpalast. Laut Karsai gab es Fortschritte bei den Verhandlungen hinter den Kulissen. Der UN-Beauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, US-Botschafter Zalmay Khalilzad und Mitglieder der Verfassungskommission setzten am Samstag ihre Gespräche mit Delegierten fort. (APA)

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    Eine der weiblichen Delegierten in der afghanischen Großen Ratsversammlung diskutiert mit anderen Delegierten. Der Verfassungsentwurf sah eine starke Position des Präsidenten und einen relativ moderaten islamischen Staat vor - inklusive Schutz der Frauenrechte.

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