Passlos in Seattle

2. Jänner 2004, 13:01
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Tipps für den Notfall - Jahr für Jahr stehen rund 1.500 Österreicher im Ausland ohne Reisepass da

Wien - Gleichgültig ob Geschäftsreise oder Winterflucht in sonnige Gefilde: Für die Ein- und Ausreise benötigt man ein Reisedokument. Was zu Schwierigkeiten führt, wenn man den Pass verliert oder er gestohlen wird. Rund 1500 Österreicher stehen jedes Jahr vor diesem Problem.

Besonders unangenehm wird die Sache naturgemäß, wenn man sich im Schengenausland befindet. Innerhalb des Schengenraums reicht nämlich eigentlich eine Diebstahlsanzeige durch die örtliche Polizei, um ungehindert zurück nach Österreich zu kommen, erklärt man im Außenministerium.

Verschwindet der Pass dagegen anderswo, gibt es zwei Möglichkeiten: Ist in dem betreffenden Land eine österreichische Vertretung, muss man dorthin, um sich einen Notpass ausstellen zu lassen. In manchen Botschaften stehen schon eigene Drucker, die ein neues Dokument ausspucken, in technisch weniger gut ausgestatteten Vertretungen wird ein Blankopass ausgefüllt.

Gibt es dagegen im Land des Verlustes keine Botschaft oder kein Konsulat, muss man die Vertretung eines anderen EU-Staates aufsuchen, am praktikabelsten ist wohl die deutsche. Die Diplomaten nehmen dann mit der nächstgelegenen österreichischen Botschaft Kontakt auf und organisieren ein Ersatzdokument.

Xerox-Prophylaxe

"Wir versuchen auf alle Fälle, jeden Österreicher so schnell wie möglich zurückzubringen", betont ein Sprecher des Außenministeriums. Allerdings kann die Prozedur manchmal dauern, da die Botschaften erst die Identität mittels Rückfragen bei den Sicherheitsbehörden und den Passämtern klären müssen. "Mit einer separat verwahrten Fotokopie des Reisepasses kann man sich selbst viel Zeit und unseren Mitarbeitern viel Arbeit ersparen", rät der Beamte daher zur Xerox-Prophylaxe.

An der Grenze selbst lässt sich übrigens nichts machen, bestätigt Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums. Entdeckt man erst bei der Ausreise, dass der Pass fehlt, muss man trotzdem wieder zurück. "Das ist aus Sicherheitsgründen notwendig, da vor Ort die Identität ja nicht überprüft werden kann."

Wirkliche Hotspots für den Passverlust kann man im Außenamt nicht nennen, vor Diebstählen sollte man sich aber besonders in Metropolen hüten, wird geraten. Um zu wissen, wohin man sich wenden muss, falls man passlos in Seattle steht, gibt es seit kurzem auch eine kleine Broschüre mit Adressen der heimischen Vertretungen, die in Reisebüros und Passämtern aufliegt. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.12.2003)

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