Blockbuster für Softwarespiele

9. Jänner 2004, 12:40
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Weltweit greifen Spieleentwickler immer häufiger zu bekannten Kino- und Buchhits als Vorlage für ihre Games - Die Höhe der Lizenzen werden streng geheim gehalten

Wien - Awareness, Aufmerksamkeit, ist das wahrscheinlich wichtigste Schlagwort für ein erfolgreiches internationales Geschäft mit Computer-und Konsolenspielen. Erreicht wird diese vor allem dadurch, dass die Spielehersteller auf bekannte Namen setzen, die die Gamer bereits von Filmen, Büchern oder TV-Serien kennen: Harry Potter, Herr der Ringe, StarGate, Starwars oder Spiderman - die Abenteuer vieler Blockbuster-Helden lassen sich auch auf den Bildschirmen von PC und Fernseher erleben.

"Von den rund tausend Titeln, die pro Jahr herauskommen, hängen rund 30 mit bekannten Spielfilmen zusammen", beobachtet Michael Pistauer, Finanzvorstand des heimischen Spieleherstellers JoWood, "Tendenz steigend". Während die großen Spielehersteller wie Electronic Arts, Ubisoft oder Activision bereits des Längeren auf solche Zugpferde setzen, hat sich auch die börsenotierte JoWood mit StarGate erstmals eine international bekannte Lizenz gesichert.

Summen geheimgehalten

Die Summen, die dabei gezahlt werden, werden zwar geheim gehalten, jedoch ist sicher, dass beispielsweise für eine Topmarke wie Harry Potter Millionen-Dollar-Beträge an den Lizenzinhaber überwiesen werden. Ähnlich wie im Buch-Verlagsgeschäft macht einen solchen Brand, eine solche Marke, besonders wertvoll, wenn es bereits eine Community, eine eingeschworene Fangemeinschaft, gibt, die hungrig auf die nächsten Abenteuer des Helden wartet.

Ein weiterer Trend, den Marktbeobachter wie Wedbush Morgan bei dem immer noch wachsenden Spielemarkt ausmachen: Ausgehend von den USA wird eine Zunahme von Konsolenkäufen wie Xbox von Microsoft, Playstation von Sony und Gamecube von Nintendo beobachtet. Erwartet wird, dass dieser vermehrte Griff zur Konsole bereits im nächsten Jahr nach Europa schwappt, wo derzeit noch die Spiele auf dem PC dominieren.

Mehrere Plattformen

Für die Gamehersteller bedeutet dies, dass sie ihre Spiele zunehmend für mehrere Plattformen entwickeln müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine solche "Multiplattform-Publishing-Strategie" macht die Sache jedoch nicht billiger: Erstens, weil die Lizenzen für verschiedene Konsolen-Plattformen eingekauft werden müssen - was bei den unterschiedlichen Interessen der Beteiligten nicht immer ganz einfach ist. Zweitens muss die Produktentwicklung trotz der unterschiedlichen Systeme, auf denen das Spiel laufen soll, möglichst flott durchgezogen werden, damit das Spiel dann auf den Markt ist, wenn der Hype, ausgelöst durch den Film in den Kinos, gerade am höchsten ist.

Auf der Habenseite im Spielegeschäft steht, dass die Entwicklungskosten in Europa etwa halb so hoch sind wie in den USA, wo die Entwicklung eines Spieles zwei bis sieben Millionen Euro kostet. Andererseits: In osteuropäischen Studios verschlingt die Entwicklung nur rund 50 Prozent der Kosten, die etwa in Österreich anfallen.

Computer- und Konsolenspiele sind schon seit einiger Zeit der am schnellsten wachsende Sektor in der Unterhaltungsindustrie. Weltweit wird der Gesamtmarkt mit digitalen Spielen derzeit auf rund 30 Mrd. Euro beziffert. Marktführer mit rund zehn Prozent ist das US-Unternehmen Electronic Arts.

Weiteres Wachstum wird durch Online-Features erwartet, wie sie von den neuesten Konsolen unterstützt werden: Also beispielsweise das Antreten gegen andere Spieler, die sich gerade online befinden, innerhalb der Abenteuerumgebung des Spieles. Oder Entwicklung einer Online-Community, die sich wie eine Art Fangemeinde rund um einen Film/ein Spiel entwickelt, und wo Tipps zum Spiel ausgetauscht werden. (Johanna Ruzicka, Der Standard, Printausgabe, 27.12.2003)

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    Harry Potter ist derzeit einer der teurersten Marken für Spiele.

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