Gedränge um chinesische Aktien

14. Jänner 2004, 14:13
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Nach flotten Börsenstarts 2003 stellen sich Kandidaten und Käufer an

Wien - Als große Boomgeschichte 2004 scheint sich der Heißhunger nach chinesischen Aktien fortzuschreiben. Höhepunkt bis jetzt war in der Vorwoche der weltgrößte Börsengang des Jahres in New York und Hongkong, das Debüt des Lebensversicherers China Life mit einem Volumen von drei Mrd. Dollar (2,43 Mrd. Euro).

Am ersten Handelstag stieg das Papier um 30 Prozent, die Nachfrage nach diesen Aktien überstieg das Angebot um das 25-fache. China Life dominiert fast die Hälfte des chinesischen Lebensversicherungsmarktes, die Prämieneinnahmen sollen jährlich um 20 Prozent steigen. Am 23. Dezember hatte der Betreiber der größten chinesischen Goldmine, Fujian Zijin Mining, sein fulminantes Börsendebüt in Hongkong mit 73 Prozent Kursplus.

Geldstrom nach Sars

Chinesische Unternehmen haben 2003 Aktien im Wert von über fünf Mrd. Dollar an ausländischen Börsen platziert. Nach dem ausgerufenen Ende der Lungenseuche Sars haben Ausländer so viel Geld nach Asien gepumpt wie seit sieben Jahren nicht mehr. Alleine Fondsgesellschaften haben acht Mrd. Dollar in der asiatischen Region investiert.

Highlights 2003 waren der Börsengang des größten chinesischen Pick-up-Herstellers Great Wall Automobiles, dessen Kurs am ersten Handelstag in Hongkong um 65 Prozent stieg. Die Emission war mehr als 600-fach überzeichnet.

Die chinesische Versicherungsgesellschaft PICC Property & Casualty fuhr im Oktober an der Hongkonger Börse hoch - die Investoren wollten 136-mal mehr Aktien als angeboten waren.

Aber auch andere asiatische Unternehmen freuen sich über enorme Nachfrage: Das thailändische Brokerhaus Kim Eng etwa hat sich seit dem Börsendebüt am 3. Dezember mehr als verdoppelt.

Der riesige Appetit auf chinesische und auch andere asiatische Titel wird von der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung vor allem in China getrieben. Mit jährlichen Wachstumsraten von über acht Prozent und damit steigender Kaufkraft der 1,3 Mrd. Chinesen zeichnet sich anhaltend boomende Nachfrage von Rohstoffen bis zu Investmentfonds ab. Die Angst vor einer Dämpfung der Kraft, sollte der als stark unterbewertet geltende Yuan anziehen, wird von den Hoffnungen auf eine stark anwachsende Binnennachfrage übertroffen.

Aber auch die Privatisierung staatlicher Unternehmen - Teil der Bedingungen für die Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation WTO - sorgen für Aufmerksamkeit.

Große Kandidaten

Einer der größten Börsengänge 2004 dürfte die größte internationale Fluggesellschaft im Reich der Mitte, Air China, werden. Die Regierung will für rund 500 Mio. Dollar (406 Mio. Euro) 25 Prozent an die Börse bringen. Ping An, Chinas zweitgrößter Lebensversicherer, und China Construction Bank, die drittgrößte Bank des Landes, wollen in den ersten Monaten 2004 aufs Parkett. Profitieren werden davon die Börsen in Hongkong und New York. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 27.12.2003)

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