Linux-Installation leicht gemacht

29. Jänner 2000, 10:42

Neue Distribution des kanadischen Softwareherstellers Corel - Wenige Mausklicks reichen - Automatische Hardwareerkennung - Einige Hänger und etwas langsam

Frankfurt/Main - Noch ist eine Installation von Linux nicht ganz so einfach wie die von Windows. Das kanadische Software-Unternehmen Corel setzt mit seiner eigenen Linux-Version (Distribution) aber neue Maßstäbe. Seit vergangener Woche steht das deutsche Corel Linux OS auf der Web-Seite des Unternehmens zum kostenlosen Download bereit. Versionen auf CD-ROM sollen in Kürze folgen.

Die Installation ist wirklich simpel

Bei neueren Rechnern, die direkt von der CD-ROM booten können, ist nur ein Neustart erforderlich. Ansonsten muss vorher noch eine Boot-Diskette erstellt werden. Im Gegensatz zu anderen Distributionen will Corel eigentlich nichts vom Benutzer wissen, die automatische Hardwareerkennung erledigt alles Wesentliche. Nur die Angaben, wo Linux auf der Festplatte denn hin soll, will das Programm schon noch haben. Mit dem übersichtlichen gestalteten Partitionierungsprogramm ist dies schnell erledigt. Dann kann man sich zwischen einer Desktop-Installation, bei der die grundlegenden Dinge auf die Festplatte kopiert werden, und einer eigenhändigen Software-Auswahl entscheiden, und das war's auch schon. Der Rest läuft automatisch.

Auch wenn der Bildschirm zum Installationsstatus manchmal hängen bleibt - das kann bei einem Prozent oder auch bei 99 Prozent passieren -, wird Linux mit Erfolg auf die Platte gebracht. Das dauert ungefähr eine halbe Stunde. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zwar gibt es noch einige Probleme mit der Einbindung von Sound- und ISDN-Karten, wie einige Computerzeitschriften berichten, und auch die Geschwindigkeit lässt zu wünschen übrig. Eine Netzwerkkarte zum Beispiel wurde aber tadellos erkannt.

Die Stabilität des Systems kommt nicht von ungefähr

Corel Linux ist nämlich keine komplette Neuentwicklung, auch wenn dies die Versionsbezeichnung 1.0 andeutet, sondern beruht auf der Distribution von Debian. Während man dort noch die Qual (oder Freiheit) der Wahl zwischen den zahlreichen Bildschirmoberflächen für Linux hat, hat sich Corel wie die meisten anderen Distributionen für KDE entschieden. KDE erinnert an die Bedienung von Windows und erleichtert so den Umstieg und auch das Kennenlernen von Linux.

Wer sich nur die Download-Version installiert, wird zunächst vielleicht ein wenig enttäuscht sein: Abgesehen von der Verbindung ins Internet kann man mit dieser Linux-Ausgabe noch nicht viel unternehmen. Für Web-Ausflüge ist man mit dem Netscape-Navigator, einem Chat-Programm und einem Newsreader gerüstet. Neben dem Adobe-Acrobat-Reader und der Bildbearbeitung Gimp gibt es sonst nur noch ein paar Spiele. Vermisst wird auch die Textverarbeitung WordPerfect von Corel. Die gibt es erst in einer der CD-ROM-Versionen. Dafür funktionieren CD-ROM- und Diskettenlaufwerke dank des Corel-Dateimanagers sofort: Um das sonst für Anfänger so lästige Mounten, das «Einhängen» der Datenträger ins System, muss man sich nicht mehr kümmern.

Lilo kommt ungefragt in den Master-Boot-Record

Beim Beenden von Corel Linux wird man feststellen, dass der PC einen neuen Boot-Manager bekommen hat, ein unter einer graphischen Oberfläche verstecktes Lilo (Linux Loader). Mit diesem kann man sich zwar nun zwischen Linux und Windows entscheiden und beides problemlos starten - ansonsten aber kennt der PC-Nutzer solche Eigenmächtigkeiten nur von Windows. Dieses nistet sich ja auch immer im Master-Boot-Record (MBR) ein, der für die Auswahl des zuerst zu startenden Betriebssystems zuständig ist. Wer Linux wieder loswerden will, muss deshalb den MBR überschreiben, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist.

Corel zielt mit seiner Distribution auf den Desktop des Privatanwenders. Nachdem es WordPerfect schon seit einiger Zeit kostenlos für Linux gibt, sollen das Grafikprogramm CorelDraw und die Office-Suite bis zum Sommer folgen, wie der Vorstandsvorsitzende von Corel, Michael Cowpland, im November auf der amerikanischen Computermesse COMDEX mitteilte.

Die deutsche Version von Corel Linux wird in zwei Varianten angeboten. Die kostenlose Download-Version gibt es im Internet und zum Preis von 9,39 Mark (plus Verpackung und Versand) bei Corel unter der Telefonnummer 0130/81 50 74 (Schweiz 0800/55 82 24; Österreich 0800/ 20 15 83). Im Handel soll es in Kürze für 99,00 Mark eine so genannte Wiederverkaufsversion geben. Diese umfasst drei CD-ROM. Dort finden sich alle Komponenten der Download-Version sowie der Netscape Communicator, ein ICQ-kompatibler Instant-Messenger-Client, weitere Schriftarten sowie WordPerfect 8. Ein Benutzerhandbuch liegt bei, außerdem leistet Corel 30 Tage Installations-Support über E-Mail.(AP)

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