Deutscher Einzelhandel vom Weihnachtsgeschäft enttäuscht

2. Jänner 2004, 11:28
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Hauptverband rechnet mit Umsatzrückgang von bis zu vier Prozent

Frankfurt am Main - Auch ein Käuferansturm an den Tagen vor Heiligabend hat das Weihnachtsgeschäft für den deutschen Einzelhandel nicht mehr retten können. Nach Einschätzung der Handelsverbände BAG und HDE lagen die Umsätze um bis zu fünf Prozent unter denen des Weihnachtsgeschäfts 2002. "Die Verbraucher haben dieses Jahr sehr geschenkorientiert und preisbewusst eingekauft", sagte BAG-Sprecherin Eva Strube am Mittwoch. Der Verband gehe davon aus, dass die Umsätze im Weihnachtsgeschäft um vier bis fünf Prozent geschrumpft seien.

"Das liegt unter unseren Erwartungen", sagte Strube. Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) zog eine enttäuschende Bilanz und rechnet mit einem Umsatzrückgang von drei bis vier Prozent. "Die beiden vergangen guten Tage können das Weihnachtsgeschäft nicht mehr rausreißen", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Grund für die Kaufzurückhaltung seien die Verunsicherung der Verbraucher sowie die hohe Arbeitslosigkeit. Zudem sei die Steuerreform zu spät gekommen.

Käuferansturm

Am vierten Adventssamstag hatten Händler von einem Käuferansturm in den Geschäften berichtet. Da viele Arbeitnehmer bereits am Montag und Dienstag Urlaub genommen haben, war mit einem nochmaligen Anziehen der Umsätze in den letzten Tagen vor dem Fest gerechnet worden. Unter Weihnachtsgeschäft versteht die Branche die Umsätze im November und Dezember, die über dem Durchschnittsumsatz der übrigen zehn Monate liegen. Insgesamt erwirtschaftete der Handel im November und Dezember 2002 mit knapp 70 Milliarden Euro etwa ein Fünftel des Jahresumsatzes.

Trotz des unter den Erwartungen gebliebenen Weihnachtsgeschäfts gab sich der HDE optimistisch. "Wir glauben, dass wir mit den vergangenen beiden Tagen die lang ersehnte Trendwende erreicht haben und mit frischem Schwung ins nächste Jahr gehen", sagte Pellengahr. Dann sollten sich auch die Auswirkungen der Steuerreform bemerkbar machen. Für einen Schub im Weihnachtsgeschäft 2003 seien die Reformbeschlüsse zu spät gekommen. Auch nach Einschätzung des BAG kam die Steuerreform für den Handel zu spät. "Wenn sie im September gekommen wäre, hätte sie uns geholfen", sagte Strube.

Für das kommende Jahr rechnet der HDE mit einem Umsatzwachstum von 0,5 bis einem Prozent. Etwas vorsichtiger gibt sich der BAG: "Für das kommende Jahr erwarten wir ein schwarze Null, vielleicht ein Plus von 0,5 Prozent. Mehr wird wohl leider nicht drin sein. Nach zwei negativen Jahren wäre dies aber zumindest ein Stillstand des Abwärtstrends", sagte Strube. Für das laufende Jahr bekräftigten die beiden Verbände ihren Erwartungen eines Umsatzrückgangs von nominal einem Prozent. (APA/Reuters)

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