ÖBB-Tochter will bei Raaber Bahn einsteigen

4. Jänner 2004, 19:45
posten

Speditionsholding soll 4-Prozent-Anteil des Hamburger Hafens übernehmen

Budapest - Die Speditionsholding der Österreichischen Bundesbahnen will sich an der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG (ROeEE) beteiligen. Das bestätigte das Verkehrsministerium Wien heute, Dienstag, auf Anfrage der APA. Demnach sollen die ÖBB die 4,2-Prozent-Beteiligung des Hamburger Hafens an der Raaber Bahn übernehmen.

Sowohl Ungarn als auch die Republik Österreich hätten auf ihr Vorkaufsrecht zu Gunsten der ÖBB-Speditionsholding verzichtet, heißt es. Die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG (ROeEE) gehört derzeit zu 61,1 Prozent der Republik Ungarn, 33,3 Prozent hält die Republik Österreich und 4,2 Prozent der Hamburger Hafen. 1,4 Prozent der Anteile befinden sich in Streubesitz. Laut einem Bericht der ungarischen Tageszeitung "Nepszabadsag" wären die Österreicher zu einer deutlichen Aufstockung ihrer Beteiligung bereit, und auch Ungarn würde sich diesem Wunsch nicht verschließen.

Grundsätzliche Verständigung

Aus dem Verkehrsministerium in Wien heißt es dazu, es gebe eine grundsätzliche Verständigung zwischen den ÖBB und dem Hamburger Hafen. Vorbehaltlich der noch ausständigen Organbeschlüsse beider Unternehmen könnte die Transaktion im ersten Quartal 2004 über die Bühne gehen, rückwirkend per 1. Jänner 2004. Die Betriebsleitung der Raaber Bahn in Wulkaprodersdorf gab sich zurückhaltender: Man wisse zwar, dass die Speditionsholding der ÖBB an der Beteiligung des Hamburger Hafens interessiert sei, aber fix sei noch nichts. Vor einer Transaktion werde es jedenfalls auch zu einer Vermögensbewertung der Raaber Bahn kommen. Der Hamburger Hafen habe für seine Beteiligung seinerzeit zwei Mio. D-Mark (1,023 Mill. Euro) bezahlt. Von der ÖBB gab es zu dem Vorhaben keine Bestätigung.

Die Raaber Bahn hat heuer ihre Schulden von 816 Mio. Forint (3,11 Mill. Euro) um 600 Mio. Forint (2,28 Mill. Euro) reduziert. Laut Vorstandschef Andras Szabo konnte dieses Ergebnis durch eine zehnprozentige Steigerung der Gütertransporte, den Abbau von 100 Arbeitsplätzen, Verkauf von Immobilien sowie die radikale Einschränkung des Sportsponsoring erzielt werden. Geplant ist weiters der Verkauf von ungenutzten Grundstücken entlang der Strecke sowie von zwei Hotels (Locomotiv und Sopron) in Sopron (Ödenburg). Auch der Verkauf der lokalen Schnellbahn Fertö-Land an Österreich habe zur Verbesserung der Bilanz geführt. Diese Strecke soll nun elektrifiziert werden.

Die rechtliche Konstruktion der Verwaltung und die Betriebsführung der Raaber Bahn sind ein europäisches Unikat. Die Bahn führt auf Grund der seinerzeitigen Teilung auch heute noch zwei Firmenbezeichnungen, ROeEE AG (Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG) bzw. GySEV Rt. (Gyor-Sopron-Ebenfurti Vasút Részvénytársaság). (APA)

Share if you care.