Korea goes West

30. Dezember 2003, 12:49
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... mit Papierarbeiten - Korea-Kunst am europäischen Kunstmarkt

Köln - Gleich zum Auftakt der diesjährigen herbstlichen Art Cologne konnte der Berliner Michael Schultz mit einer koreanischen Überraschung aufwarten. Die in Berlin lebende Baselitz-Meisterschülerin Seo hatte das Interesse immerhin einer Einkaufskommission des New Yorker "Museum of Modern Art" geweckt. Gleich sechs größere Papierarbeiten gingen für zusammen über 40.000 Euro über die Kojen-Theke des Berliner Galeristen. Für 2006 plant das MOMA eine auf Papierarbeiten fokussierte Gruppenausstellung.

Korea wird also in der Weltkunst-Hauptstadt dabei sein. Das alles steht nicht nur für den aktuellen Trend zu dynamisch-figurativer Kunst. Das Drängen junger Künstler und Galerien aus Seoul auf den westlichen Weltkunstmarkt ist seit einigen Jahren spürbar - Peinlichkeiten gegenüber Koreas Galerien-Upper-Class inbegriffen.

So wurde die koreanische Spitzengalerie Kukje, deren internationale Spitzenofferten (Calder, Judd, Kiefer, Rucha, Stella, Twombly) man selbst auf der Art Basel Jahr für Jahr zu den Qualitätsgaranten zählen muss, in der Vergangenheit durch bürokratische Kleingeisterei (zu spät angemeldet) von der Art Cologne düpiert.

Schwamm drüber. Der neue Kommunikator Gerard Goodrow, zuvor bei Christie's als Zeitgenossen-Experte im internationalen Auktionszirkus geschult, soll als "Director Art Cologne" dafür sorgen, dass sich gerade so etwas nicht wiederholt: Gerade die Top-Galerien Koreas und ein so gleichzeitig neu zu animierendes Sammler-Publikum stehen derzeit in Europa nicht nur im Visier dieser seiner Messe.

Gerard Goodrow: "Schon in den Christie's-Auktionen sorgten gerade bedeutende koreanische Sammler für Spitzenpreise - von Yves Klein bis Andreas Gursky. Gerade für diese Sammler-Zielgruppe soll es zukünftig wieder interessant werden, während ihrer Reise zu den New Yorker Auktionen, auf Kölns Art Cologne einen Zwischenstop einzulegen,".

Asiens Kunst-Stoff

Was der europäische Messe-Besucher erlebt, ist überwiegend materialorientierte (Papier-) Kunst. Stichwort "Papierarbeiten" : Die drei in diesem Jahr in Köln vertretenen Youngster-Galerien aus Südkorea - Park Ryu Sook, Juliana Gallery und Chosun Gallery - griffen allesamt mit ihren zeitgenössischen Offerten den traditionellen Umgang mit diesem spezifisch asiatischen Kunst-Stoff auf.

Wen wundert's , dass parallel zum koreanischen Angebot, neben den abstrakten Zeichen-Tafeln des Spanier Pijuan, auch Papierprägungen des deutschen Kunstnagel-Weltstars Günther Uecker präsentiert wurden? Ein öst-westlicher Kunst-Diwan aus Zellulose.

"Richtig koreanisch" präsentierte sich auf der Art Jinmo Kangs Porträt of Buddha (10.000 €): Eine sitzende abstrahierte Buddha-Figur aus schwarzem Granit - und direkt gegenüber die in den Umrissen gleiche Figur aus einer sich nach oben, Richtung Kopf, immer weiter verdünnenden Feder - und deshalb in permanenter Bewegung. Wer denkt da nicht an den TV-Buddha des koreanischen Kunst-Ur-Vaters Nam June Paik? (Roland Groß/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. - 26. 12. 2003)

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