"MA 2412 – Die Staatsdiener": Alle deppert. Super. Egal. Oder?

15. Juli 2004, 12:35
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"MA 2412 - Die Staatsdiener": Nach der erfolgreichen ORF-Sitcom ein weiteres Hohelied auf heimische Mittelmäßigkeit

Wien - "Für mich hängt der Erfolg oder Misserfolg eines künstlerischen Produktes vor allem damit zusammen, wie es diskursiv behandelt wird", sagte einmal der Wiener Kabarettist Alfred Dorfer in einem Gespräch mit dem STANDARD.

Sein Kollege Roland Düringer wiederum meinte: "Und ich denke, der Österreicher hat das Recht, im Kino unterhalten zu werden. Dafür bezahlt er ja die Steuergelder, von denen der österreichische Film, sprich viele der Anwesenden, leben." Dass ihm dabei der so genannte Diskurs eher blunz'n ist - daraus machte Düringer kein Hehl.

Hier jetzt also eine Kritik für Alfred Dorfer. Steuerzahler, die sich mit MA 2412 hervorragend unterhalten: Bitte, sofort mit dem Lesen aufhören! Herr Düringer, sorry, aber wir müssen aus Anlass Ihres Filmes eine Frage strapazieren, die uns auch bei Franz Antels Bockerer-Filmen oft quält: Was heißt das, wenn man sein Publikum so lange mit kritischem Schmäh und Mutterwitz über Ressentiments versorgt, bis es sich in eben diesen Ressentiments gut aufgehoben fühlt? Ist das typisch österreichisch? Und: Ist das unpolitisch oder ist es zumindest symptomatisch - auch für die heimische Gesellschafts- und Medienpolitik?

Typisch(e) Beamte!

MA 2412 wirft, so versichern alle Beteiligten treuherzig, einen richtig bösen Blick auf das heimische Beamtentum: Schiach sind sie, die Beamten, Owezahra sind sie, korrupt, arbeitsscheu und ein bisserl beschränkt. Und weil das in der gleichnamigen ORF-Sitcom so erfolgreich war, geht jetzt der Kinofilm (Untertitel: Die Staatsdiener) einen Schritt weiter und sagt: Das hat eine lange Tradition. Nicht nur im österreichischen Kino der 30er-, 40er- und 50er-Jahre hat man getrickst und gemault und genuschelt, was das Zeug hielt. Nein, von der Steinzeit an gab es das Prinzip Hans Moser. Das ist arg, aber lustig und daher schon gut.

Es ist vermutlich so gut, dass man sich dazu auch gar nichts mehr einfallen lassen muss. Stopp!, wird Alfred Dorfer einwenden, das ist jetzt aber kein Diskurs mehr! Na gut, sagen wir, dann skizzieren wir halt einmal das Prinzip Franz Antel. Das Prinzip Bockerer. Das Prinzip Anti- kino. Folgendes Prinzip: Wenn wir eine oder mehrere große Leinwände haben und ein großes Publikum, weil große Publikumslieblinge, können wir uns eines sparen: gute Ideen. Es reicht ja, wenn der Bockerer Faxen macht.

Blöde gute alte Zeit

In MA 2412 reicht es zum Beispiel offenbar, dass Düringer schlechte Zähne vorzeigt und Dorfer einen drastischen Vokuhila und Monika Weinzettl als Fräulein Knackal - ach was. Dafür reichen ein paar gefakte TV-Interviews (Prinzip: verlängertes Weihnachtsspecial), ein paar parodistische Szenen (Prinzip: blöde gute alte Zeit) und ein paar Clips wie aus der Autowerbung. Weswegen der Film eher eine Materialiensammlung für einen Filmtrailer darstellt. Also ist das Beste an MA 2412 der Trailer.

Und darin kommt nun folgende Szene nicht vor, folgender schlechter Witz: Stehen drei depperte Beamte in Brüssel im EU-Parlament vor einer Tür und wollen was sagen. Fällt ihnen aber nix ein. Gehen sie eben wieder nach Hause. Und in Brüssel waren alle so deppert wie in Österreich. Super, oder? Wir haben es ja auch schon immer gesagt: Alle deppert. Geht eh nichts weiter. Insofern kann gelten: Wer MA 2412 durchsteht, ist in der heimischen Politik, in der man das Antelsche Szegedinergulasch ja auch sehr schätzt, gut aufgehoben.

Aber: Dies ist kein Film vom alten Antel, sondern einer von Harald Sicheritz. Mit einem Alfred Dorfer, dem man abseits der Leinwand immer wieder anmerkt, dass er eigentlich heraus will aus diesem Affentheater. Und mit Roland Düringer, der, wenn man ihn in diversen Programmen wie Regenerationsabend sieht, durchaus Lebendigeres, Liebevolleres für heimische Steuerzahler anbieten kann. Da sind wir uns, auch wenn er vor 100 Zeilen mit dem Lesen aufgehört hat, ganz sicher.

Daher folgender Weihnachtswunsch: Wenn auch dieser Film von Sicheritz, Düringer und Dorfer unter den heimischen Top Ten gelandet ist, dann bitte ganz viel Geld in ein gutes Drehbuch investieren. Deppert sein ist nicht super. Auch dieses Land braucht gute Komödien! (Claus Philipp/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. - 26. 12. 2003)

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    foto: der standard
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