Auf dem Küniglberg klaffen viele Baustellen

13. Jänner 2004, 14:47
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Zwei Jahre ORF unter Monika Lindner, Mitte 2004 ist dann Halbzeit - Mit Leserbriefen von Lindner und Direktoren im Wortlaut

Doris Priesching und Harald Fidler ziehen eine Zwischenbilanz von A bis Z.

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Stundenlang zog sich an diesem 21. Dezember das Hearing, doch dann ging alles ganz schnell: Schon im ersten Wahlgang stimmten blaue und schwarze Stiftungsräte - mit einer Ausnahme - für Monika Lindner als neue ORF-Generalin.

Mit Anfang 2004 ist Lindner zwei Jahre im Amt, Mitte kommenden Jahres hat sie ihre erste Halbzeit hinter sich. Was hat sie vor zwei Jahren versprochen, sollte sie gewählt werden?

"Die Programme des ORF müssen sich deutlich von jenen kommerzieller Anbieter unterscheiden", stand zum Beispiel in Lindners zwölf Seiten umfassender Bewerbung. Seit ihrem Amtsantritt hat sich die Frequenz der "Millionenshow" erhöht, die sich durch den Akzent des Moderators vom selben Format in RTL unterscheidet.

ORF folgte Castingtrend

Dem allgemeinen Castingtrend folgt "Starmania", dem deutsche Programmmacher besseren Aufbau bescheinigen als "Deutschland sucht den Superstar". "Bachelor" und "Dismissed" finden sich dank Lindners Management in RTL und ORF oder MTV und ORF.

Die Generalin versprach zudem, späte Sendetermine von Kulturprogrammen zu hinterfragen. Ihre Kulturredaktion rebellierte wenig später gegen noch spätere Termine.

Unterhaltungssendungen wollte Lindner Kontrastprogramme für kleinere Zielgruppen gegenüberstellen. Ergebnis: "Millionenshow" gegen "Schlosshotel Orth" oder "Ein Fall für zwei".

"Starke Trennung" zwischen Programm und Werbung

"Ausbau der Qualität der ORF-Information" versprach sie ebenfalls. Filmproduzenten vermissten zuletzt lautstark die "verstärkte österreichische Eigenproduktion".

Eine "scharfe Trennung" zwischen Werbung und Programm wollte Lindner ebenfalls. Die erste Staffel von "Starmania" etwa sah danach nicht aus. Erst drohende Verleger und Konkurrenten ließen die Anstalt mit neuen Werberichtlinien einlenken.

Zwei Jahre nach Amtsantritt liegt Lindner aber nicht nur ein gutes Stück entfernt von ihren Vorsätzen. Viele Baustellen hat sie auf dem Küniglberg, viele Bälle in der Luft - von Gebühren bis Teilprivatisierung, von Auslagerung bis Satellitenkanal, von Filmproduktion bis Schwarzfunk. DER STANDARD hat die Stichworte zusammengetragen: Zwischenbilanz von A bis Z. (DER STANDARD; Printausgabe, 23.12.2003)

  • Leserbrief der Direktoren im Wortlaut

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  • Leserbrief von Monika Linder im Wortlaut

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